Rezension von: K.Reinsch, R.Beck, H.Hilbrecht, P.Voelker (Hg.): Die Sonne beobachten. Sterne und Weltraum-Verlag, Heidelberg 1999, ISBN 3-87973-930-7 Rechtzeitig zur totalen Sonnenfinsternis am 11.8.1999 erschien der neueste Band in der Reihe "Astro-Praxis" aus dem Sterne und Weltraum-Verlag mit dem Titel "Die Sonne beobachten". Wie schon in der 1982 erschienenen ersten Auflage - damals im VdS-Eigenverlag und unter dem Titel "Handbuch fuer Sonnenbeobachter" - sind die Herausgeber unter den insgesamt zwei dutzend Autoren. Das Problem der Homogenitaet der Beitraege, die sich in 12 Kapiteln und zwei Anhaengen mit Bezugsquellen und Internet-Adressen fuer Sonnenbeobachter gliedern, ist evident und konnte nicht befriedigend geloest werden. Mit anderen Worten: Die Darstellungen sind im Stil und in der Ausfuehrlichkeit sehr unterschiedlich. Zentrale Kapitel existieren z.B. ueber Instrumente, Detektoren (Photographie, CCD-Kameras), Sonnenflecken, Statistik von Sonnenflecken, Beobachtungen im H alpha - Licht sowie ueber Sonnenfinsternisse. Diese Hauptkapitel umfassen jeweils ca. 20 bis knapp 70 Seiten und sind meistens sehr detailliert. Zu vielen Fakten koennen die Ausfuehrungen als Ersatz fuer Lehrbuecher herangezogen werden, weil nicht nur die zum Beobachten noetigen Tatsachen, sondern weit darueber hinausgehende Details aus der Literatur beschrieben und zitiert werden. Insofern war der alte Titel dem Inhalt des Buches, dessen Art sich nur wenig geaendert hat, angemessener. Die Ansprueche der meisten Kapitel an die Leser sind nicht gering, sollten aber fuer alle Interessenten zu meistern sein. Anders ist dies mit der Literatur, die zitiert wird: Einerseits sind 42% der ueber 500 Literaturzitate englischsprachig andererseits sind sogar ueber 50% der Literaturzitate der Fachliteratur zuzuordnen. Was die Herausgeber im Vorwort unter den Verweisen auf "populaerwissenschaftliche Fachliteratur" verstehen, ist mir nicht klar. Meistens stammen die von mir der Fachliteratur zugeordneten Zitate aus referierten Fachzeitschriften und erfordern umfangreiche Kenntnisse der Literatur oder wiederum weiteres Literaturstudium. Diese Problematik existiert von Kapitel zu Kapitel unterschiedlich stark, aber die meisten Leser duerften vor russischen und japanischen Quellen kapitulieren, die - wenn auch in geringer Anzahl - zitiert werden. Immerhin wird betont, dass man dem Leser beim Beschaffen der Quellen helfen wolle. Der Anspruch an umfassende Zitate ist an einigen Stellen sogar uebertrieben, leider nicht so an einigen Stellen die Ausgewogenheit der Argumente und Zitate Zwei Beispiele moegen dies verdeutlichen: (1) An einer Stelle (8.4., S.282) wird etwa behauptet, dass Polfackeln die einzigen Bezugspunkte sind, um die Rotationsdauer des Plasmas in sehr hohen Breiten der Sonne zu bestimmen. Dazu eignen sich aber z.B. Doppler-Messungen und das Verfolgen der Supergranulation oder des Kalzium-Netzwerkes ebenfalls. (2) Bei der Granulation werden zwar - aus meiner Sicht - mehrere sehr spezielle Fachpublikationen [4.,3 bis 6] zitiert, die allgemeine populaere Literatur ueber die Sonnengranulation wird aber nur teilweise zitiert. Ich meine, diese ist fuer die meisten Amateure wichtiger, weil sie leichter erreichbar und besser verstaendlich, ist. Hier kann dem Nutzer und SuW-Leser nur empfohlen werden, die CD-ROMs mit den Jahresinhaltsverzeichnissen von SuW als Ergaenzung zu konsultieren ! Neu in dem Buch sind Halbtonbilder. Leider ist deren Qualitaet meistens nur gering und es gibt einige falsche Bildunterschriften und kaum erkennbare Unterschiede (4.15 und 4.16) - hier waeren weniger Abbildungen auf Papier besserer Qualitaet mehr gewesen. Trotz dieser Maengel kann das Buch jedem empfohlen werden, der etwa durch die totale Sonnenfinsternis am 11.8.1999 neu zum Beobachten der Sonne kommt oder der in den vergangenen 17 Jahren die aktuellen Entwicklungen in der Sonnenforschung nicht verfolgen konnte und aktuelle deutschsprachige Informationen dazu sucht. Zum Abschluss ein Hinweis fuer Skeptiker, die die Handbuchversion kennen: Das mehrtaegige Studium des Buches hat bei mir nicht zu dem Hauptproblem mit dem alten Handbuch, dass es beim Benutzen schnell in Einzelblaetter zerfiel, gefuehrt. Alle Seiten sind derzeit noch komplett eingebunden. Hubertus Woehl