Oskar von der Lühe
Physikalische Fakultät, Universität Freiburg
Wintersemester 1999 / 2000
Di. 09:00 - 11:00, SR I
Literatur
Unsöld, A:, Bascheck, B.: Der neue Kosmos (6. Auflage), Springer-Verlag, ISBN 3-540-64165-3
Voigt, H. H.: Abriß der Astronomie (Kompendium), BI Wissenschaftsverlag, ISBN 3-411-01584-5
Programm
(Wintersemester 1999 / 2000 und Sommersemester 2000)
I. Grundlagen
I.2 Historische Entwicklung des modernen Weltbildes
I.3 Die Erde als Plattform astronomischer Beobachtungen
I.4 Instrumente der Astronomie
II. Sterne und Sternentwicklung
Die Sonne als Prototyp
Zustandsgrößen der Sterne
Sternentwicklung
Multiple Systeme
III. Galaktische Astronomie
Interstellare Materie
Sondertypen von Sternen
Die Milchstraße
IV. Extragalaktische Astronomie
Ruhige und Aktive Galaxien
Sternhaufen
QSOs
V.
Kosmologie
Astrophysik ist die Wissenschaft der Interpretation der Beobachtungen und Erkenntnisse der Astronomie im Rahmen der bekannten physikalischen Gesetze
Heute ist die Astronomie Teilgebiet der Physik.
Astronomie beschäftigt sich mit extraterrestrischen Vorgängen und bezieht Information per ,,Fernerkundung" über
bestimmte Sorten von Elementarteilchen (Neutrinos)
(Gravitationswellen)
Spektralen Verteilung
Polarisation
Unter der Annahme universeller
Gültigkeit der physikalischen Gesetze tragen astronomische Beobachtungen
sehr harte Randbedingungen für den Test gängiger physikalischer
Vorstellungen bei. Die Entwicklung der modernen Physik und Astronomie erfolgte
simultan in wechselseitiger Abhängigkeit.
Die moderne Astronomie
hat sich aus ca 5000 Jahren geschriebener Geschichte entwickelt. Hier ein
kurzer Abriß der wesentlichen Meilensteine.
Babylonier (ca. 3000 b. C. bis zum Beginn der Zeitrechnung):
Ursprünge der Astrologie
,,Saros-Zyklus" (223 synodische Monate oder ca. 18 Jahre) zur Vorhersage von Mondfinsternissen
Lunisolarjahr (19 Jahre)
Aristarch (265 b. C) schätzt den Abstand zur Sonne relativ zum Abstand Mond-Erde und schließt auf eine Sonne, die wesentlich größer (und massiver) als die Erde ist. Heliozentrisches Weltbild.
Erathostenes (220 b. C) bestimmt den Erdumfang durch Breitendifferenz zwischen Alexandria und Syene zu 39690 km
Aristoteles schließt aufgrund der fehlenden Parallaxe der hellen Fixsterne auf ein geozentrisches Weltbild, welches das Mittelalter in Europa prägte
Entwicklung der modernen Astronomie in Europa:
Galileo Galilei (1609) macht erste Beobachtungen mit Teleskopen und entdeckt Jupitermonde, Sonnenflecken, Saturnringe, und den Phasenwechsel der Venus.
Johannes Kepler (Assistent und Nachfolger von Brahe in Prag) entdeckt die Gesetze der Planetenbewegung: 1. Ellipsensatz (1602), 2. Flächensatz (1609) und den 3. Satz von Umlaufzeiten und Radien (1619).
Ch. Scheiner (1630) bestimmt aus Sonnenflecken die Sonnenrotation.
Cassini und Richter (1672) bestimmen aus Marsbeobachtungen und dem 3. Keplerschen Gesetz den Erdbahnhalbmesser
Ole Römer (1676) bestimmt aus Zeiten der Jupitermond-Verfinsterung die Lichtgeschwindigkeit.
Isaac Newton (1687) formuliert das Gravitationsgesetz.
Edmund Halley (1706) leitet aus dem Gravitationsgesetz die Wiederkehr eines Kometen voraus (,,Halley'scher Komet", 1986).
Bode (1766) veröffentlicht das Titius'sche Gesetz über die Planetenbahnradien
(,,Titius-Bode'sche Reihe",
)
Messier (1784) veröffentlicht Katalog von 103 ,,nebligen" Objekten.
Lagrange (1788) findet exakte Lösungen für Sonderfälle des 3-Körper-Problems.
Herschel (1781) entdeckt Uranus.
Piazzi (1801) entdeckt den größten Asteroiden Ceres.
Fraunhofer (1814) beobachtet dunkle Linien im Sonnenspektrum.
Bessel, Struve und Henderson (1838) bestimmen Parallaxen (Entfernungen) zu näheren Fixsternen.
Schwabe (1843) entdeckt die Periodizität der Sonennflecken.
Leverrier (1846) berechnet aus Störungen der Uranus-Bahn den mutmaßlichen Ort eines unbekannten Planeten. Dieser wird von Galle gefunden - Neptun.
Helmholtz (1853) stellt Kontraktionstheorie zur Erklärung der Energiequelle der Sonne auf.
Wolf (1887) führt erste photographische Himmelsaufnahmen durch.
Eddington (1916) stellt Theorie über inneren Aufbau der Sterne auf.
Michelson und Pease (1918) messen direkt (interferometrisch) den scheinbaren Durchmesser mehrerer heller Riesensterne.
Friedmann (1922) entwickelt zeitlich veränderliche Weltmodelle auf der Basis der Allgemeinen Relativitätstheorie.
Hubble (1923) findet Entfernung zweier naher Spektralnebel und stellt deren extragalaktische Natur sicher.
Hubble (1929) findet eine systematische Rotverschiebung in den Spektren der Spiralnebel, die proportional zu deren Entfernung ist (Hubble-Gesetz).
Tombaugh (1930) entdeckt den Planeten Pluto.
Jansky (1932) weist nach, daß das Zentrum der Milchstraße eine Radioquelle ist - Beginn der Radio-Astronomie.
Bethe und Weizsäcker (1939) entdecken den CNO-Zyklus.
Ewen, Purcell und Westerhout (1949) finden die 1945 von van der Hulst vorhergesagte Spektrallinie des neutralen Wasserstoff bei 21cm.
Oort und van de Hulst (1952) weisen Spiralarme der Milchstraße radioastronomisch nach.
Mathews und Sandage (1962) identifizieren optisch die bereits im Radiobereich entdeckten Quasare.
Penzias und Wilson (1965) entdecken die von Gamov für ein expandierendes Universum geforderte Hintergrund-Radiostrahlung (2.7K).
Hewish und Bell (1967) entdecken ersten Pulsar (Neutronenstern). Die Existenz von Neutronensternen ist 1934 von Zwicky gefordert worden.
Die geographische Breite eines Ortes ist der Winkel zwischen der Richtung der Schwerkraft und der Äquatorialebene. Die Form der Erde ist keine exakte Kugel; in erster Näherung läßt sie sich als einen oblaten Rotations-Ellipsoiden beschreiben. Dies führt dazu, daß die Richtung der Schwerkraft nicht immer exakt auf den Mittelpunkt der Erde weist. Die Abweichung zwischen der geographischen und der geozentrischen Breite beträgt maximal 11.5 Bogenminuten und kann in gewissen Fällen bedeutsam sein.
Tabelle 1.3.1: Dimensionen
der meridionalen Ellipse.
Abbildung 1.3.1: Horizontsystem(links) und Äquatorialsystem
(rechts).
Im beweglichen Äquator-System ist der Ursprung der Winkelkoordinate längs des Himmelsäquators relativ zur Himmelskugel fix und bewegt sich für den Beobachter. Als Ursprung ist der Frühlingspunkt gewählt. Die Winkelkoordinate eines Himmelskörpers längs des Himmelsäquators im beweglichen System heißt Rektaszension a (englisch: right ascension). Durch diese Wahl des Koordinatensystems sind die Effekte der Erdrotation und des Umlaufs um die Sonne von der Position der Himmelskörper außerhalb des Sonnensystems abgezogen. Kataloge geben daher Deklination und Rektaszensionen für die Position von Objekten an.
Per definitionem hat
der Frühlingspunkt die Rektaszension 0. Sein Stundenwinkel im festen
Äquator-System heißt Sternzeit Q.
Für ein Objekt mit Rektaszension a
gilt für seinen Stundenwinkel:
.
Da sowohl Sundenwinkel als auch Sternzeit linear in der Zeit sind, hat sich eingebürgert, sie Einheiten der Zeit auszudrücken. Dabei entsprechen 24 Stunden 360°, 1 Stunde 15°, 1 Zeitminute 15 Bogenminuten etc.
Jedes Himmelsobjekt erreicht seine größte Höhe beim Durchgang durch den Meridian (Kulmination). Ein synodischer (Sonnen-) Tag ist definiert als die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen der Sonne. Entsprechend ist ein siderischer (Sternen-) Tag definiert als die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen des Frühlingspunktes. Aufgrund der Bahnbewegung um die Sonne ist der siderische Tag um ca. 24h/365 = 3 Minuten 57 Sekunden kürzer als der synodische Tag.
Umrechnungen zwischen Horizont- und Äquator-Systemen bei geogr. Breite F:
(1.1)
sowie
(1.2)
Aus der letzten Zeile in (1.2) folgt, daß ein Objekt südlich vom Zenith kulminiert (h = 0) bei einer Höhe von amax = 90° + F - d bzw. nördlich vom Zenith kulminiert (h = 12h) bei einer Höhe von amax = 90° - F + d.
Bei gegebener nördlicher
geographischer Breite F gehen Objekte
mit Deklinationen d > 90°
- F nie unter (,,Zirkumpolarsterne").
Desgleichen sind Objekte mit d < F
- 90° nie zu sehen. Entsprechendes
gilt für die Südhalbkugel.
Das galaktische System
benutzt die Ebene der Milchstraße für den Grundkreis und eignet
sich somit für die Beschreibung von Objekten in unserer Milchstraße.
Die Ebene der Milchstraße ist ca. 57°
gegen die Ebene der Ekliptik geneigt. Koordinaten sind galaktische Breite
b und
galaktische Länge l. Der Ursprung der galaktischen
Länge ist durch die Richtung zum Zentrum der Milchstraße (a
= 17h 42.4m, d
= -28° 55`) gegeben.
Nutation: Durch die Neigung der Mondbahn relativ zur Ekliptik von ca. 5° führt diese eine Präzessionsbewegung mit einer Periode von 18,6 Jahren aus. Diese Bewegung überlagert sich der Präzession der Erdachse und führt zu Störungen der Schiefe der Ekliptik und der Länge des Frühlingspunktes in der Größenordnung von Bruchteilen einer Bogenminute.
Parallaxen: Die Beobachtung von dreidimensional verteilten Körpern von verschiedenen Standorten führt zu perspektivischen Verschiebungen. Diesen Effekt nennt man Parallaxe. Die auf die Erdrotation zurückzuführende tägliche Parallaxe ist nur innerhalb des Sonnensystems von Belang. Sie entspricht dem vom betrachteten Körper gesehenen Winkel des Erdhalbmessers. Mond: 57`, Sonne 8"79. Die von der Bahnbewegung der Erde hervorgerufene jährliche Parallaxe ist von fundamentaler Bedeutung, da sie groß genug ist, um Abstände zu den nächsten Fixsternen direkt zu messen. Sie entspricht dem vom betrachteten Körper gesehenen Winkel des Erdbahnhalbmessers. Für die nächsten Fixsterne beträgt die Parallaxe weniger als 1".
Aberration: Die endliche Lichtgeschwindigkeit ruft eine scheinbare Änderung der Positionen von einem bewegten Standort hervor. Der Zuwachs a des Positionswinkels j zwischen der Bewegungsrichtung und einem Objekt beträgt
(1.3)
Die Aberration ist maximal
bei einem Winkel von 90° zur Bewegungsrichtung.
Für die Bahnbewegung der Erde beträgt die Aberration maximal
(Aberrationskonstante).
Mittlere Sonnenzeit ist gegeben durch eine (angenommene) sich gleichmäßig am Äquator bewegende Sonne. Die Differenz wahre Sonnenzeit - mittlere Sonnenzeit heißt Zeitgleichung. Die Abweichungen sind maximal 16 Minuten. Jede geographische Länge hat seine eigene Sonnenzeit.
Zonenzeit (bürgerliche Zeit) ist definiert für Zonen der geographischen Länge von i. A. 15°. Freiburg gehört wie ganz Deutschland zur MEZ.
Weltzeit oder
Universal Time (UT) ist die mittlere Sonnenzeit von Greenwich (WEZ) oder
MEZ--1h. Diese wird zur Festlegung astronomischer Ereignisse in der
Regel verwendet.
Julianisches Datum wird in der Astronomie häufig verwendet. Entspricht einer durchlaufenden Tageszählung mit dem Nullpunkt am Mittag des 1. Januar 4713 v. Chr. UT (kein Datumswechsel in der Nacht).
Die Skalenhöhe
H ist ca. 8 km. Die Temperaturverteilung ist viel unregelmäßiger,
sie schwankt beträchtlich in den ersten 100 km zwischen 180 K und
290 K. zeigt den Verlauf von Druck und Temperatur für die ersten 30
km für einen Observatoriums-Standort in Chile.
Ein wesentlicher Emissionseffekt ist die thermische Strahlung der Erdatmosphäre im Infraroten. Für die unteren 40 ... 60 km kann man thermodynamisches Gleichgewicht annehmen. Für diejenigen Wellenlängenbereiche, in denen die Atmosphäre weitgehend transparent ist, empfängt man eine Intensität von
(1.5)
dabei ist tl
= -ln(Transmission) die optische Tiefe und Bl
die Planck-Funktion, beide an der Wellenlänge l,
für die mittlere Temperatur T der Atmosphäre.
Die Abhängigkeit von der Höhe ist in Abbildung 1.3.4 dargestellt.
Die Variation des Brechungsindexes mit der Höhe führt zur Refraktion, der Ablenkung von Lichtwellen in Abhängigkeit mit der Zenithdistanz. Die gemessene Zenithdistanz z ist erwas kleiner als die wahre Zenithdistanz z0. Für eine planparallele Atmosphäre gilt näherungsweise folgender Zusammenhang:
(1.7)
N0 ist der Brechungsindex der Luft am Beobachtungsstandort. Die Größe (N0 - 1) entspricht ca. einer Bogenminute. Wegen der Erdkrümmung gilt Gl. (1.7) in der Nähe des Horizonts nicht mehr.
Durch Windströmungen
hervorgerufene Fluktuationen der Temperatur rufen Schwankungen des
Brechungsindex hervor, welche Lichtwellen streuen (,,Seeing"). Die
Streuwinkel hängen ab von der Amplitude der Stärke der Turbulenz
und sind in der Größenordnung von Bogensekunden. Für
größere Teleskope (oberhalb von ca 50 cm) ist daher die
Winkelauflösung unabhängig von deren Durchmesser. Astronomische
Standorte werden kritisch nach minimaler atmosphärischer Turbulenz
ausgewählt.
Abbildung 1.3.2:
Extinktion der Atmosphäre über das gesamte elektromagnetische
Spektrum.
Abbildung 1.3.4: Druck,
Temperatur, und Brechungsindex der Erdatmosphäre mit der Höhe
für Cerro Paranal, Nord-Chile.
transformiert. Für kleine Winkel a entspricht der Tangens dem Winkel im Bogenmaß, somit wird (1.8) zu
(1.9)
Dies ist für Winkel kleiner als 1 Grad (zwei Vollmonddurchmesser) zu besser als 1:105 erfüllt. Da in der astronomischen Optik Gesichtsfelder selten größer sind, approximiert man häufig die Winkelfunktionen sin und tan durch das Bogenmaß.
Die Linse ist ein einfaches optisches Element. Viele kompliziertere optische Systeme lassen sich durch eine Folge von Linsen funktionell darstellen.
Ein sphärischer Spiegel ist einer dünnen Linse funktionell äquivalent. Ein Hohlspiegel (konvexer Spiegel) entspricht einer Linse mit positiver Brennweite, ein erhabener (konkaver) Spiegel einer Linse mit negativer Brennweite. Ein sphärischer Spiegel mit Krümmungsradius R hat eine Brennweite von
.
(1.10)
Ein sphärischer
Spiegel bildet idealerweise einen Punkt am Ort des Krümmungsmittelpunktes
auf sich selber ab. Die Abbildung eines fernen Objektes auf der Achse unterliegt
Bildfehlern, insbesondere der sphärischen Aberration. Sphärische
Aberration bei Spiegeln läßt sich durch eine geeignete Wahl
einer
asphärischen Spiegeloberfläche im Prinzip auf der
Achse eliminieren. Die gebräuchlichen asphärischen Spiegel
sind Rotationskörper zweidimensionaler Kegelschnitte (parabolische,
elliptische und hyperbolische Spiegel).
Astigmatismus: Strahlen innerhalb der Ebene, welche die optische Achse und das Objekt enthält, haben einen anderen Fokus als Strahlen in einer Ebene senkrecht dazu (tangetialer bzw. sagittaler Fokus). Es entstehen zwei in Achsenrichtung axial voneinander getrennte Fokuslinien als Punktbilder.
Koma: Strahlen
durch äußere Zonen sind systematisch gegenüber Strahlen
aus den inneren Zonen radial in der Brennebene versetzt. Es entsteht
ein dreieckiges Punktbild.
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Tabelle 1.4.1: Optische Aberrationen. Sphärische Aberration (links), Astigmatismus (Mitte), Koma (rechts).
(1.11)In aller Regel wird ein Bündel paralleler Strahlen durch die Fassung des Objektivs begrenzt. Dieses ist die Aperturblende und gleichzeitig die Eintrittspupille des Teleskops. Hinter dem Okular schneiden sich zu verschiedenen Feldwinkeln gehörende Bündel paralleler Strahlen in einer Ebene senkrecht zur optischen Achse in einem Kreis kleinsten Durchmessers. Diese Ebene entspricht dem durch das Okular erzeugte geometrische Bild des Objektivs und wird Austrittspupille genannt. Die Größe der Eintrittspupille bestimmt die Lichtsammelfläche und das Winkel-Auflösungsvermögen des Teleskops.
Bei einer Vergrößerung des Abstandes des Okulars vom Objektiv (Defokussierung) um eine Strecke D aus der konfokalen Position entwirft das Okular ein reelles Bild des Primärfokus in einer Scheiteldistanz bfd von
.
(1.12)
Dieses Bild heißt Sekundärfokus. Die Linearvergrößerung m2 im Sekundärfokus ist gegeben mit
.
(1.13)
Die scheinbare Dimensionen a der Quelle wird im Sekundärfokus in eine lineare Dimensionen x2 gemäß
(1.14)
transformiert.
Dem (defokussierten) Astronomischen Fernrohr sind alle heute verwendeten Teleskope mit zwei Elementen funktionell äquivalent.
Refraktoren (Teleskope mit reiner Linsenoptik) spielen seit Beginn des Jahrhunderts aus technologischen Gründen eine untergeordnete Rolle.
Die optische Konfiguration ist unabhängig von der Wellenlänge (Dispersion, chromatische Aberration).
Die Rückseite des Spiegels kann durchbrochen sein (Leichtgewichtspiegel) und mechanisch unterstützt werden.
Das Trägermaterial muß nicht transparent sein.
Breitere Palette von Materialien (optische Gläser, Zerodur, SiC, Metalle, etc.).
In aller Regel bildet der Primärspiegel Aperturblende und Eintrittspupille des Systems. Die Austrittspupille ist virtuell. Teleskope, die für den Infrarot-Bereich optimiert sind, benutzen einen kleineren Sekundärspiegel, welcher zur Aperturblende und Austrittspupille wird. Die Eintrittspupille ist dann kleiner als der Primärspiegel, virtuell, und liegt hinter dem Primärspiegel.
Tabelle1.4.2
eigt
ein Beispiel für die optischen Parameter eines modernen Teleskops
des Ritchey-Chrétien - Typs.
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Hauptspiegel
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D = 8200 mm, R = 28800 mm, K = -1.004616
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Eintrittspupille
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D = 8000 mm
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Aperturblende
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Sekundärspiegel
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Sekundärspiegel
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D = 1116 mm, R = -4553.6 mm, K = -1.66926
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Primärbrennweite
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14400 mm (F/1.8)
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Eff. Brennweite:
Cassegrain-Fokus
Nasmyth-Fokus Coude-Fokus |
108800 mm (F/13.6) 120000 mm (F/15.0) 399200 mm (F/49.9) |
Tabelle1.4.2: Optische Parameter der vier Teleskope des Very Large Telescope der Europäischen Südsternewarte.
Parallaktische Montierungen sind mechanisch kompliziert und tendieren zu Voluminösität und Übergewicht. Wegen der Umständlichkeit der schiefen Achsen und den verschiedenen geographischen Breiten der Observatorien gibt es eine Fülle von mechanischen Konzepten. Für Großteleskope waren sie bis in die Siebziger Jahre üblich.
Moderne Montierungen erlauben die Installation von Instrumenten nicht nur am Cassegrain-, sondern auch an anderen Foci. In der Nasmyth-Konfiguration wird durch einen dritten Planspiegel im Strahlengang das Licht durch die Höhenachse ausgelenkt. Dies erlaubt große Installationen auf einer an der Gabel befestigte Plattform, welche nur der azimuthalen Bewegung unterliegt.
Die azimuthale Montierung bewirkt eine Rotation des Bildes in der Fokalebene als Funktion der Zeit. Im Cassegrain-Fokus rotiert das Bild wie der parallaktische Winkel, die Pupille ist stationär. Am Nasmyth-Fokus rotieren sowohl Bild als auch die Austrittspupille, gegeben durch die Höheneinstellung des Teleskops. In beiden Foci ist eine Bild-Derotation erforderlich, um lange Belichtungszeiten in den Fokalinstrumenten realisieren zu können.
Ein Coelostat besteht aus einem parallaktisch montierten, nur um eine Achse drehbaren Planspiegel. Die Spiegeloberfläche enthält dabei die Drehachse. Der Spiegel wird mit der halben Erdrotationsrate nachgeführt. Das Lichtbündel ist für jede Deklination raumfest. Ein Hilfsspiegel lenkt das Bündel in die gewünschte Richtung. Der Coelostat erzeugt keine Bildrotation, ist aber auf ca. ±30°¼ 45° um den Äquator einsetzbar. Einsatzbereich Sonnenteleskope.
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Durchmesser der Coelostatenspiegel
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800 mm
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Durchmesser Eintrittsfenster
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750 mm
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Durchmesser Hauptspiegel
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700 mm
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Primärbrennweite
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45640 mm
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Skala im Primärfokus
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4.52 arcsec mm-1
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Tabelle 1.4.3: Optische Parameter des Vakuum-Turmteleskop des Kiepenheuer-Instituts auf Teneriffa.
.
(1.15)Durch deren Halbwertsbreite ist die Auflösungsgrenze gegeben mit
.
(1.16)
Alternativ wird häufig
die Rayleigh'sche Auflösungsgrenze
angegeben,
welche dem radialen Abstand vom Maximum der Airyfunktion zum ersten Minimum
entspricht. Obstruktionen in der Pupille durch Sekundäroptik
und Haltekreuze verändern die Form der Beugungsfigur leicht. Tabelle
1.4.4
gibt
für verschiedene Wellenlängen an.
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Tabelle 1.4.4: Auflösungsgrenzen in [arcsec]
In der Praxis begrenzen optische Fehler und atmosphärische Turbulenz die Auflösung eines Teleskops erheblich. Aberrationen führen zu Deformationen der Airyfunktion, wie sie in Tabelle 1.4.1 dargestellt sind.
Atmosphärische Turbulenz verursacht schwere, zeitlich rasch veränderliche Aberrationen, die sich zu denen des Teleskops addieren. Abbildung 1.4.2 zeigt eine Kurzzeitaufnahme eines hellen Sterns (Belichtungszeit 100 ms) mit einem großen Teleskop. Die Struktur innerhalb des Bildes (Speckle) entsteht durch die Turbulenz. Obwohl jedes Pünktchen im Bild nur so groß ist wie die Beugungsgrenze, ist die gesamte Intensität über ein Feld von etwa 2 Bogensekunden verschmiert. Eine lang belichtete Aufnahme würde eine konturlose Scheibe von etwa zwei Bogensekunden zeigen.
Um die Beugungsgrenze eines Teleskops zu erreichen, kann man die atmosphärischen Fluktuationen mit Hilfe einer Adaptiven Optik (AO) während der Beobachtung kompensieren. Solche Systeme sind technologisch sehr anspruchsvoll, da die Kompensation innerhalb von wenigen Millisekunden erfolgen muss. Abbildung 1.4.3 zeigt ein mit Hilfe des AO-Systems ADONIS am 3.5m-Teleskop der ESO kompensiertes Bild eines Doppelsterns.
Abbildung
1.4.1: Airy-Funktion.
Abbildung
1.4.2: Kurzzeitaufnahme eines hellen Sterns.
Abbildung
1.4.3: Kompensiertes (links) und unkompensiertes (rechts)
Bild eines Doppelsterns.
(1.17)
Bei einer Quelle mit sehr geringer scheinbarer Ausdehnung (Sehwinkel) ist der Kontrast hoch, für ausgedehnte Quellen nimmt er ab (s. Abbildung 1.4.4 ).
Trägt man den Kontrast
als Funktion des in die Richtung der Quelle projizierten Abstandes
zweier Teleskopöffnungen in ein zweidimensionales Diagramm ein, so
erhält man einen Wert für die die Kontrastfunktion
.
Bei der Kombination mehrerer Teleskope ergibt sich jeweils ein Wert
für alle zur Kombination beitragenden Basislängen. Die Zahl der
gemessenen Werte läßt sich durch Ausnutzen der Erdrotation ggf.
erheblich steigern (Erdrotations-Synthese).
Mathematisch entspricht
der Kontrastfunktion eine Menge von Fourierkomponenten der Intensitätsverteilung
im Objekt. Mißt man den Interferenzkontrast eines Objektes für
viele Basislängen, so kann man die Objektfunktion rekonstruieren.
Die dabei maximal zu erreichende Auflösung entspricht, bei maximaler
Basislänge
,
einer Grenze von
.
(1.18)
Mit Hilfe eines Interferometers
läßt sich der Winkelabstand von Quellen mit sehr hoher Präzision
- weit besser als das durch die Basislänge gegebene Auflösungsvermögen
- messen. Daher spielen Interferometer in der Astrometrie eine zunehmend
bedeutende Rolle. Observatorien mit mehreren Großteleskopen
wie das Keck (Hawaii), ESO-VLT (Chile), und das Large
Binocular Telescope (LBT, Arizona) sehen einen kohärent
kombinierten (interferometrischen) Betriebsmodus vor.
Abbildung 1.4.4: Zur
Arbeitsweise eines astronomischen Interferometers.
Messung der (spektralen) Polarisationseigenschaften.
.
(1.19)
Dabei sind a die Gitterkonstante und n ist die Beugungsordnung. Die Änderung des Beugungswinkels j mit der Wellenlänge (Winkeldispersion) ist gegeben mit
,
(1.20)
und steigt mit zunehmender Ordnung. Durch Einstellen des Neigungswinkels der Gitterfurchen (,,Blaze-Winkel") läßt sich die Beugungseffizienz auf eine bestimmte Ordnung konzentrieren.
Gitterspektrographen werden vorwiegend als Spaltspektrographen (longslit spectrograph) ausgelegt. Ein schmaler Spalt schneidet einen Teil der Fokalebene aus. Das hindurchtretende Licht wird von einem Kollimator parallel gemacht, bevor es das Gitter erreicht. Das gebeugte Licht wird von einer Kamera fokussiert, diese erzeugt für jede Wellenlänge ein Bild des Spaltes. Ein Detektor nimmt das Spektrum auf. Durch Rotieren des Gitters kann der vom Detektor erfaßte spektrale Bereich eingestellt werden.
Durch das Verwenden von Glasfaseroptik kann das Licht mehrerer Dutzend bis mehrerer Hundert Objekte gleichzeitig in einen Spektrographen geleitet und deren Spektren simultan aufgenommen werden (Multiobjekt-Spektrographie).
Bei einem schmalen Spalt ist die spektrale Auflösung Dl durch Beugung begrenzt, und ist gegeben mit
. (1.21)
Dabei ist m die Zahl der ausgeleuchteten Gitterlinien. Die spektrale Auflösung typischer Spektrographen reicht von wenigen 104 bis zu 5 105.
Gebräuchliche Konfigurationen
von Spektrographen sind der Littrow-Spektrograph und der Czerny-Turner-Spektrograph,
häufig in einer
Echelle-Konfiguration, bei welcher sich
mehrere Ordnungen überlagern und durch Vorfilter, Prismen oder ein
Gitter mit geringer Dispersion (Vorzerleger bzw. Kreuzdisperser) getrennt
werden müssen.
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Interferenzfilter
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Mehrfach - Beschichtung
auf Glasträger
Sichtbar, IR
Nicht verstellbar |
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Polarisationsinterferenzfilter (Lyot-Filter)
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Kombination von doppelbrechenden
Elementen und Polarisatoren (Kanalspektren)
Sichtbar
z. T. verstellbar, Vorfilter nötig |
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Fabry-Pérot - Etalons
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Kanalspektren der Etalons,
mehrfache Etalons zur Verbesserung der Finesse
Sichtbar
verstellbar, Vorfilter nötig |
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Photoplatte, Film
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Nichtlinear
Dyn. Bereich ( 1/100)
Detektor ist gleich Speicher Große Kapazität |
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Bildverstärker
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Photokathode, SE -
Vervielfachung (106 ... 107)
Geometrische Distorsionen
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Mikrokanalplatte
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Photokathode, SE -
Vervielfachung (106 ... 107)
Keine Distorsionen
Empfindlich |
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CCD
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Dyn. Bereich bis 1/1000,
durch Photonenrauschen begrenzt
Sehr empfindlich
Sehr linear (200000 e- / pixel) Große Kapazität (bis 40962 pixel) |
Tabelle 1.4.6: Eigenschaften einiger Detektoren in der Astronomie.