WS
1999/2000 Einführung in die Astronomie und Astrophysik
1. Grundlagen
1.1 Einleitung und Überblick
Astronomie als exakte
Naturwissenschaft:
Astronomie ist die Wissenschaft der indirekt zugänglichen,
unbelebten Materie außerhalb der Erde
Astrophysik ist die Wissenschaft der Interpretation der Beobachtungen
und Erkenntnisse der Astronomie im Rahmen der bekannten physikalischen
Gesetze
Heute ist die Astronomie
Teilgebiet der Physik.
Astronomie beschäftigt
sich mit extraterrestrischen Vorgängen und bezieht Information per
,,Fernerkundung" über
-
elektromagnetische Strahlung
-
Partikelstrahlung
-
bestimmte Sorten von Elementarteilchen (Neutrinos)
-
(Gravitationswellen)
Im Allgemeinen steht nur die Information
über die Intensität der Strahlung bezüglich der
-
zeitliche Variation
-
Richtung
-
Spektralen Verteilung
-
Polarisation
zur Verfügung, aus welcher auf die
physikalische Natur der Phänomeme geschlossen werden muß.
Messungen in situ
sind in der Regel nicht möglich. Dort, wo sie durch Weltraumexperimente
möglich werden, entwickeln sich neue Wissenschaftszweige (Aeronomie,
Planetologie). Astronomie studiert Objekte in extremen physikalischen Zuständen
bezüglich Längenskalen, Massen, Druck und Temperatur, welche
keinem Laborexperiment zugänglich sind.
Unter der Annahme universeller
Gültigkeit der physikalischen Gesetze tragen astronomische Beobachtungen
sehr harte Randbedingungen für den Test gängiger physikalischer
Vorstellungen bei. Die Entwicklung der modernen Physik und Astronomie erfolgte
simultan in wechselseitiger Abhängigkeit.
1.2 Historische Entwicklung des
modernen Weltbildes
Die Beobachtungen der
Sterne und anderer Himmelskörper spielte zu allen Zeiten eine große
Rolle für die Zeitmessung, für die Entwicklung des Kalenders
und für die Navigation. Prähistorische Artefakte, welche astronomische
Beobachtungen nahelegen, sind bei vielen Kulturen zu finden. Die moderne
Astronomie hat sich aus ca 5000 Jahren geschriebener Geschichte entwickelt.
Hier ein kurzer Abriß der wesentlichen Meilensteine.
Babylonier (ca.
3000 b. C. bis zum Beginn der Zeitrechnung):
Sternbilder (Konstellationen),
Tierkreiszeichen
Fixsterne und Wandelsterne
(Planeten)
Ursprünge der
Astrologie
,,Saros-Zyklus" (223
synodische Monate oder ca. 18 Jahre) zur Vorhersage von Mondfinsternissen
Lunisolarjahr (19 Jahre)
Ägypter
(ca. 3000 b. C. bis zum Beginn der Zeitrechnung):
Griechen (ca.
600 b. C. bis 150 AD):
Kugelgestalt der Erde,
geschlossen aus rundem Erdschatten bei Mondfinsternissen
Desgleichen, relative
Größe zwischen Mond und Erde
Aristarch (265
b. C) schätzt den Abstand zur Sonne relativ zum Abstand Mond-Erde
und schließt auf eine Sonne, die wesentlich größer (und
massiver) als die Erde ist. Heliozentrisches Weltbild.
Erathostenes
(220 b. C) bestimmt den Erdumfang durch Breitendifferenz zwischen Alexandria
und Syene zu 39690 km
Aristoteles
schließt aufgrund der fehlenden Parallaxe der hellen Fixsterne auf
ein geozentrisches Weltbild, welches das Mittelalter in Europa prägte
Im frühen Mittelalter
wurde die antike Astronomie durch die Araber weitergetragen. Viele
heute gebräuchliche Namen heller Sterne sind arabischen Ursprungs.
Entwicklung der modernen
Astronomie in Europa:
Nikolaus Kopernikus
(1543) tritt für ein heliozentrisches Weltbild ein (,,De revolutionibus"
wird posthum veröffentlicht).
Tycho Brahe (1576-1597) fertigt auf Hven die genauesten Planetenbeobachtungen
ohne Hilfe von Teleskopen an (29")
Galileo Galilei (1609) macht erste Beobachtungen mit Teleskopen und
entdeckt Jupitermonde, Sonnenflecken, Saturnringe, und den Phasenwechsel
der Venus.
Johannes Kepler (Assistent und Nachfolger von Brahe in Prag) entdeckt
die Gesetze der Planetenbewegung: 1. Ellipsensatz (1602), 2. Flächensatz
(1609) und den 3. Satz von Umlaufzeiten und Radien (1619).
Ch. Scheiner (1630)
bestimmt aus Sonnenflecken die Sonnenrotation.
Cassini und Richter
(1672) bestimmen aus Marsbeobachtungen und dem 3. Keplerschen Gesetz den
Erdbahnhalbmesser
Ole Römer (1676)
bestimmt aus Zeiten der Jupitermond-Verfinsterung die Lichtgeschwindigkeit.
Isaac Newton (1687)
formuliert das Gravitationsgesetz.
Edmund Halley (1706)
leitet aus dem Gravitationsgesetz die Wiederkehr eines Kometen voraus (,,Halley'scher
Komet", 1986).
Zu Beginn des 18. Jh.
Gibt es umfangreiche Sternkataloge. Veränderliche Sterne sind bekannt.
Das Spiegelteleskop ist erfunden.
Euler (1744) führt
die analytische Behandlung des Zweikörperproblems aus.
Lambert (1761) erkennt, daß das System der sichtbaren Sterne
nicht isotrop ist und sich durch eine flache Scheibe erklären läßt.
Bode (1766) veröffentlicht das Titius'sche Gesetz über die
Planetenbahnradien
(,,Titius-Bode'sche
Reihe",

)
Messier (1784) veröffentlicht
Katalog von 103 ,,nebligen" Objekten.
Lagrange (1788) findet
exakte Lösungen für Sonderfälle des 3-Körper-Problems.
Herschel (1781) entdeckt
Uranus.
Piazzi (1801) entdeckt
den größten Asteroiden Ceres.
Fraunhofer (1814) beobachtet
dunkle Linien im Sonnenspektrum.
Bessel, Struve und Henderson
(1838) bestimmen Parallaxen (Entfernungen) zu näheren Fixsternen.
Schwabe (1843) entdeckt
die Periodizität der Sonennflecken.
Leverrier (1846) berechnet
aus Störungen der Uranus-Bahn den mutmaßlichen Ort eines unbekannten
Planeten. Dieser wird von Galle gefunden - Neptun.
Helmholtz (1853) stellt
Kontraktionstheorie zur Erklärung der Energiequelle der Sonne auf.
Wolf (1887) führt
erste photographische Himmelsaufnahmen durch.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
hat die Beobachtungstechnik bedeutende Fortschritte gemacht durch Einführung
der Spektroskopie. Man kennt den Doppler-Effekt sowie visuelle und spektroskopische
Doppelsterne. Präzise Positionen von über 105 Sternen
bekannt.
Leavitt (1912) findet
Perioden-Helligkeits-Beziehung der Cepheiden.
Hertzsprung-Russell-Diagramm (1913)
Eddington (1916) stellt Theorie über inneren Aufbau der Sterne
auf.
Michelson und Pease (1918) messen direkt (interferometrisch) den scheinbaren
Durchmesser mehrerer heller Riesensterne.
Friedmann (1922) entwickelt
zeitlich veränderliche Weltmodelle auf der Basis der Allgemeinen Relativitätstheorie.
Hubble (1923) findet
Entfernung zweier naher Spektralnebel und stellt deren extragalaktische
Natur sicher.
Hubble (1929) findet
eine systematische Rotverschiebung in den Spektren der Spiralnebel, die
proportional zu deren Entfernung ist (Hubble-Gesetz).
Tombaugh (1930) entdeckt
den Planeten Pluto.
Jansky (1932) weist nach,
daß das Zentrum der Milchstraße eine Radioquelle ist - Beginn
der Radio-Astronomie.
Bethe und Weizsäcker
(1939) entdecken den CNO-Zyklus.
Ewen, Purcell und Westerhout
(1949) finden die 1945 von van der Hulst vorhergesagte Spektrallinie des
neutralen Wasserstoff bei 21cm.
Oort und van de Hulst
(1952) weisen Spiralarme der Milchstraße radioastronomisch nach.
Mathews und Sandage (1962)
identifizieren optisch die bereits im Radiobereich entdeckten Quasare.
Penzias und Wilson (1965)
entdecken die von Gamov für ein expandierendes Universum geforderte
Hintergrund-Radiostrahlung (2.7K).
Hewish und Bell (1967)
entdecken ersten Pulsar (Neutronenstern). Die Existenz von Neutronensternen
ist 1934 von Zwicky gefordert worden.
1.3 Die Erde als Plattform astronomischer
Beobachtungen
1.3.1 Koordinatensysteme
Koordinatensysteme
in der Astronomie sind verknüpft mit der Kugelgestalt der Erde und
den kombinierten Bewegungen die sie ausführt. Die Örter astronomischer
Objekte werden angegeben relativ zu einer gedachten Sphäre, deren
Zentrum mit dem Erdmittelpunkt koinzidiert und deren Radius so groß
angenommen wird, daß perspektivische Effekte verschiedener Beobachtungs-Standorte
auf der Erdoberfläche vernachlässigbar sind. Diese Sphäre
ist die Himmelssphäre.
Es werden durchgehend
sphärische Koordinaten (zwei Winkel und - konstanter - radialer Abstand)
verwendet. Zur Umrechnung zwischen verschiedenen Koordinatensystemen benötigt
man
sphärische Trigonometrie.
1.3.1.1 Koordinaten auf der Erde
Eine Position auf der
Erde ist durch zwei Winkel gegeben, Länge und Breite.
Die Äquatorialebene - d. h. die Ebene durch den Großkreis, welcher
senkrecht zur Rotationsachse der Erde steht, ist eine Referenzebene. Schnittlinien
der Erdoberfläche mit Ebenen, welche parallel zur Äquatorialebene
sind, heißen
Breitenkreise. Halbkreise von Pol zu Pol heißen
Meridiane.
Die geographische
Länge eines Ortes ist der Winkel zwischen seinem Meridian und
des Meridians des alten Greenwich Observatory (bei London). Vorzeichen
konventionsabhängig - es empfiehlt sich, explizit die Richtung (westlich
oder östlich von Greenwich) anzugeben.
Die geographische Breite
eines Ortes ist der Winkel zwischen der Richtung der Schwerkraft und der
Äquatorialebene. Die Form der Erde ist keine exakte Kugel; in erster
Näherung läßt sie sich als einen oblaten Rotations-Ellipsoiden
beschreiben. Dies führt dazu, daß die Richtung der Schwerkraft
nicht immer exakt auf den Mittelpunkt der Erde weist. Die Abweichung zwischen
der geographischen und der geozentrischen Breite beträgt maximal
11.5 Bogenminuten und kann in gewissen Fällen bedeutsam sein.
|
Radius am Äquator a [km]
|
6378.140
|
|
Radius am Pol b [km]
|
6356.755
|
|
Exzentrizität e
|
0.08182
|
Tabelle 1.3.1: Dimensionen der meridionalen Ellipse.
1.3.1.2 Bewegungen der Erde
Die Erde führt
zwei Bewegungen aus, welche den Tages- und Jahreslauf sowie die astronomischen
Beobachtungen im wesentlichen bestimmen. Diese sind die Erdrotation und
der Umlauf um die Sonne. Die Ebene der Erdbahn heißt Ebene der
Ekliptik. Die Rotationsachse der Erde ist um 23.5°
aus der Senkrechten zur Ekliptik geneigt (Schiefe der Ekliptik).
Diese Neigung ist die Ursache der Jahreszeiten; während des nördlichen
Sommers weist der Nordpol zur Sonne.
Die Richtung der durch
die Äquatorebene und der Ekliptik gebildeten Schnittlinie weist zum
Frühlings-
und Herbstpunkt der Himmelskugel. Der Frühlingspunkt ist gegeben
durch die Richtung zur Sonne zur Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche.
1.3.1.2 Das Horizont-System der Himmelskoordinaten
Das Horizont-System
auf der Himmelskugel entspricht dem natürlichen System der Beobachtung.
Der Grundkreis ist der lokale Horizont, der Pol über Kopf heißt
Zenith,
der Pol unter Füßen heißt
Nadir. Winkel am Horizont
werden relativ zum Südpunkt (Schnittpunkt des Meridians mit
dem Horizont in Südrichtung) positiv über Westen gemessen. Der
zugehörige Winkel heißt
Azimuth A. Der zweite Winkel
wird in Richtung Zenith heißt Höhe a. Alternativ wird
auch die
Zenithdistanz z = 90°
-
a verwendet. Da das System ortsfest ist, bewegen sich die Himmelskörper
in ihm in der Regel auf komplizierten Bahnen, die von der Breite des Beobachtungsstandortes
abhängen. Das Horizontsystem ist wichtig für azimuthal montierte
Teleskope (siehe Abschnitt 1.4).
Abbildung 1.3.1: Horizontsystem(links) und Äquatorialsystem
(rechts).
1.3.1.3 Das Äquator-System
Das Äquator-System
benutzt als Grundkreis die Projektion des Erdäquators auf die Himmelskugel
(Himmelsäquator). Pole des Systems sind die Durchstoßpunkte
der Erdachse. Die Wahl dieses Systems macht Koordinaten unabhängig
von der geographischen Breite des Beobachtungsstandortes. Man unterscheidet
zwei Äquator-Systeme, ein ortsfestes und ein bewegliches. In beiden
Systemen heißt der Winkel zwischen einem Objekt am Himmel und der
Äquatorebene die Deklination d
des Objektes und ändert sich nicht mit der Zeit.
Im festen Äquator-System
ist der Ursprung der Winkelkoordinate längs des Himmelsäquators
gegeben durch den Schnittpunkt mit dem Meridian (Großkreis durch
den Zenith). Die Winkelkoordinate eines Himmelskörpers längs
des Himmelsäquators heißt
Stundenwinkel h. Der
Stundenwinkel ändert sich linear mit der Zeit und hängt von der
geographischen Länge des Beobachters und der Jahreszeit ab.
Im beweglichen Äquator-System
ist der Ursprung der Winkelkoordinate längs des Himmelsäquators
relativ zur Himmelskugel fix und bewegt sich für den Beobachter. Als
Ursprung ist der Frühlingspunkt gewählt. Die Winkelkoordinate
eines Himmelskörpers längs des Himmelsäquators im beweglichen
System heißt Rektaszension a (englisch:
right ascension). Durch diese Wahl des Koordinatensystems sind die Effekte
der Erdrotation und des Umlaufs um die Sonne von der Position der Himmelskörper
außerhalb des Sonnensystems abgezogen. Kataloge geben daher Deklination
und Rektaszensionen für die Position von Objekten an.
Per definitionem hat
der Frühlingspunkt die Rektaszension 0. Sein Stundenwinkel im festen
Äquator-System heißt
Sternzeit Q.
Für ein Objekt mit Rektaszension
a
gilt für seinen Stundenwinkel:

.
Da sowohl Sundenwinkel
als auch Sternzeit linear in der Zeit sind, hat sich eingebürgert,
sie Einheiten der Zeit auszudrücken. Dabei entsprechen 24 Stunden
360°, 1 Stunde 15°,
1 Zeitminute 15 Bogenminuten etc.
Jedes Himmelsobjekt
erreicht seine größte Höhe beim Durchgang durch den Meridian
(Kulmination). Ein synodischer (Sonnen-) Tag ist definiert als die
Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen der Sonne. Entsprechend
ist ein
siderischer (Sternen-) Tag definiert als die Zeit zwischen
zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen des Frühlingspunktes. Aufgrund
der Bahnbewegung um die Sonne ist der siderische Tag um ca. 24h/365
= 3 Minuten 57 Sekunden kürzer als der synodische Tag.
Umrechnungen zwischen
Horizont- und Äquator-Systemen bei geogr. Breite F:

(1.1)
sowie
(1.2)
Aus der letzten Zeile
in (1.2) folgt, daß ein Objekt südlich vom Zenith kulminiert
(h = 0) bei einer Höhe von amax = 90°
+ F - d
bzw. nördlich vom Zenith kulminiert (h = 12h) bei einer Höhe
von amax = 90° - F
+ d.
Bei gegebener nördlicher
geographischer Breite F gehen Objekte
mit Deklinationen d > 90°
- F nie unter (,,Zirkumpolarsterne").
Desgleichen sind Objekte mit d < F
- 90° nie zu sehen. Entsprechendes
gilt für die Südhalbkugel.
1.3.1.4 Andere Koordinatensysteme
Neben dem Horizont-
und Äquatorsystem sind noch das ekliptische System und das
galaktische
System von Bedeutung.
Das ekliptische
System benutzt die Projektion der Erdbahn bzw. des Sonnenjahreslaufs
auf die Himmelskugel als Grundkreis. Koordinaten sind die ekliptische
Breite b und die ekliptische Längel.
Wie beim Äquatorialsystem ist der Frühlingspunkt der Nullpunkt
für die ekliptische Länge. Dieses System ist für Körper
des Sonnensystems (Planeten, Asteroiden, Kometen) von Bedeutung.
Das galaktische
System benutzt die Ebene der Milchstraße für den Grundkreis
und eignet sich somit für die Beschreibung von Objekten in unserer
Milchstraße. Die Ebene der Milchstraße ist ca. 57°
gegen die Ebene der Ekliptik geneigt. Koordinaten sind galaktische Breite
b und
galaktische Länge l. Der Ursprung der galaktischen
Länge ist durch die Richtung zum Zentrum der Milchstraße (a
= 17h 42.4m, d
= -28° 55`) gegeben.
1.3.1.5 Störungen der Koordinaten
Die in 1.3.1.2 beschriebenen
Bewegungen der Erde unterliegen weiteren Einflüssen, welche langzeitliche
Schwankungen hervorrufen. Diese müssen regelmäßig
bei der Berechnung der Koordinaten von Himmelskörpern, insbesondere
wenn es auf große Präzision ankommt, berücksichtigt werden.
Deshalb müssen für Koordinaten in Katalogen etc. immer das Äquinoktium
(engl.
epoch) angeben, auf welches sie sich beziehen. Z. Z. werden
die Äquinoktien von 1950 und 2000 in Katalogen verwendet.
Präzession:
Die Präzession der Erdachse wird durch die Gravitationskräfte
der anderen Himmelskörper des Sonnensystems, insbesondere des Mondes
und der Sonne, hervorgerufen. Dabei beschreibt die Erdachse eine gleichmäßige
Drehung längs eines Kegels mit einer Öffnung von 23.5°
um den Pol der Ekliptik. Ein vollständiger Umlauf dauert ca. 26.000
Jahre. Als Konsequenz verändern sich die Positionen des Frühlingspunktes
und Himmelspole. Insbesondere wird der gegenwärtige Polarstern (a
UMi) in einigen Tausend Jahren die Funktion des Leitsterns nicht mehr erfüllen.
Nutation:
Durch die Neigung der Mondbahn relativ zur Ekliptik von ca. 5°
führt diese eine Präzessionsbewegung mit einer Periode von
18,6 Jahren aus. Diese Bewegung überlagert sich der Präzession
der Erdachse und führt zu Störungen der Schiefe der Ekliptik
und der Länge des Frühlingspunktes in der Größenordnung
von Bruchteilen einer Bogenminute.
Parallaxen:
Die Beobachtung von dreidimensional verteilten Körpern von verschiedenen
Standorten führt zu perspektivischen Verschiebungen. Diesen Effekt
nennt man Parallaxe. Die auf die Erdrotation zurückzuführende
tägliche
Parallaxe ist nur innerhalb des Sonnensystems von Belang. Sie
entspricht dem vom betrachteten Körper gesehenen Winkel des Erdhalbmessers.
Mond: 57`, Sonne 8"79. Die von der Bahnbewegung der Erde hervorgerufene
jährliche
Parallaxe ist von fundamentaler Bedeutung, da sie groß genug
ist, um Abstände zu den nächsten Fixsternen direkt zu messen.
Sie entspricht dem vom betrachteten Körper gesehenen Winkel des Erdbahnhalbmessers.
Für die nächsten Fixsterne beträgt die Parallaxe weniger
als 1".
Aberration:
Die endliche Lichtgeschwindigkeit ruft eine scheinbare Änderung der
Positionen von einem bewegten Standort hervor. Der Zuwachs a
des Positionswinkels j zwischen der Bewegungsrichtung
und einem Objekt beträgt

(1.3)
Die Aberration ist
maximal bei einem Winkel von 90
°
zur Bewegungsrichtung. Für die Bahnbewegung der Erde beträgt
die Aberration maximal

(
Aberrationskonstante).
1.3.2 Grundbegriffe der Zeit
Einige Definitionen
von Zeitmaßen haben wir bereits im vorausgehenden Kapitel kennengelernt.
Weitere Definitionen von wesentlichem Interesse sind die folgenden.
Die wichtigsten Zeitsysteme
Sternzeit ist
gegeben durch den Stundenwinkel des Frühlingspunktes.
Wahre Sonnenzeit
ist gegeben mit dem Stundenwinkel der wahren Sonne + 12h. Dieses Maß
ist ungleichmäßig wegen der Schiefe der Ekliptik und weil die
Umlaufgeschwindigkeit der Erde um die Sonne variiert.
Mittlere Sonnenzeit
ist gegeben durch eine (angenommene) sich gleichmäßig am Äquator
bewegende Sonne. Die Differenz wahre Sonnenzeit - mittlere Sonnenzeit
heißt
Zeitgleichung.
Die Abweichungen sind maximal 16 Minuten. Jede geographische Länge
hat seine eigene Sonnenzeit.
Zonenzeit (bürgerliche
Zeit) ist definiert für Zonen der geographischen Länge von i.
A. 15°. Freiburg gehört wie
ganz Deutschland zur MEZ.
Weltzeit oder
Universal Time (UT) ist die mittlere Sonnenzeit von Greenwich (WEZ) oder
MEZ--1h. Diese wird zur Festlegung astronomischer Ereignisse in der Regel
verwendet.
Kalender
Julianischer Kalendar
durch J. Cäsar im Jahre 46 v. Chr. Sonnenjahr mit 365,25 Tagen (11`14"
zu lang).
Gregorianischer
Kalendar eingeführt 1582 durch Papst Gregor XIII. Schaltjahr-Regeln.
Julianisches Datum
wird in der Astronomie häufig verwendet. Entspricht einer durchlaufenden
Tageszählung mit dem Nullpunkt am Mittag des 1. Januar 4713 v. Chr.
UT (kein Datumswechsel in der Nacht).
1.3.3 Beobachtungen vom Erdboden
Die Erdatmosphäre
schränkt astronomische Beobachtungen in vielfältiger Weise ein.
Sie absorbiert den größten Teil des elektromagnetischen Spektrums,
und läßt nur den sichtbaren sowie einen Teil des Radiobereichs
durch. Der Brechungsindex der Luft verursacht Ablenkungen und Deformationen
der Lichtbündel. Thermische Emissionen der Atmosphäre beeinträchtigen
die Beobachtung im Infraroten bis in den Sub-mm Radiowellenbereich. Ionisation
in der oberen Atmosphäre schränkt die Ausbreitung von Radiowellen
ein. Ein großer Teil des elektromagnetischen Spektrums konnte daher
erst mit der Weltraumfahrt erschlossen werden. Im folgenden werden die
wesentlichen Effekte näher erläutert.
1.3.3.1 Druck und Temperatur der Erdatmosphäre
In den unteren 90 km
ist die Zusammensetzung der Erdatmosphäre im wesentlichen konstant.
Die Druckverteilung mit der Höhe z läßt sich gut
mit einem Exponentialgesetz beschreiben:

(1.4)
Die Skalenhöhe
H ist ca. 8 km. Die Temperaturverteilung ist viel unregelmäßiger,
sie schwankt beträchtlich in den ersten 100 km zwischen 180 K und
290 K. zeigt den Verlauf von Druck und Temperatur für die ersten 30
km für einen Observatoriums - Standort in Chile.
1.3.3.2 Transmission und Emission der Erdatmosphäre
Transparent ist die
Erdatmosphäre nur in zwei Spektralbereichen im Sichtbaren und Infraroten
von ca. 300 nm bis 25 mm, und im Radiobereich
von 0.35 mm bis ca. 20 m Wellenlänge (s. Abbildung 1.3.2).
Der kombinierte Einfluß von Streuung und Absorption in der Atmosphäre
wird Extinktion genannt. Ein typischer Wert der Transmission durch
die Erdatmosphäre in Meereshöhe bei 550 nm ist 79%.
Im Infraroten ist der
Bereich ab 0.9 mm durch molekulare Absorptionsbanden
stark beeinträchtigt. Abbildung 1.3.3 zeigt die Transmission
der Atmosphäre im Bereich zwischen 1
mm
und 5 mm. Dieses ändert sich zum
Besseren in moderaten Höhen von ca. 12 km. Daher werden Flugzeuge
zur Beobachtung im IR eingesetzt (KAO, SOFIA).
Ein wesentlicher Emissionseffekt
ist die thermische Strahlung der Erdatmosphäre im Infraroten. Für
die unteren 40 ... 60 km kann man thermodynamisches Gleichgewicht annehmen.
Für diejenigen Wellenlängenbereiche, in denen die Atmosphäre
weitgehend transparent ist, empfängt man eine Intensität von

(1.5)
dabei ist tl
= -ln(Transmission) die optische Tiefe und Bl
die Planck-Funktion, beide an der Wellenlänge l,
für die mittlere Temperatur T der Atmosphäre.
1.3.3.3 Brechungsindex der Erdatmosphäre
Der Brechungsindex
trockener Luft bei 500 nm als Funktion von Druck p und Temperatur
T
läßt sich approximieren mit

(1.6)
Die Abhängigkeit
von der Höhe ist in Abbildung 1.3.4 dargestellt.
Die Variation des Brechungsindexes
mit der Höhe führt zur Refraktion, der Ablenkung von Lichtwellen
in Abhängigkeit mit der Zenithdistanz. Die gemessene Zenithdistanz
z
ist erwas kleiner als die wahre Zenithdistanz z0. Für
eine planparallele Atmosphäre gilt näherungsweise folgender Zusammenhang:

(1.7)
N0
ist der Brechungsindex der Luft am Beobachtungsstandort. Die Größe
(N0 - 1) entspricht ca. einer Bogenminute. Wegen der
Erdkrümmung gilt Gl. (1.7) in der Nähe des Horizonts nicht mehr.
Durch Windströmungen
hervorgerufene Fluktuationen der Temperatur rufen Schwankungen des Brechungsindex
hervor, welche Lichtwellen streuen (,,Seeing"). Die Streuwinkel hängen
ab von der Amplitude der Stärke der Turbulenz und sind in der Größenordnung
von Bogensekunden. Für größere Teleskope (oberhalb von
ca 50 cm) ist daher die Winkelauflösung unabhängig von deren
Durchmesser. Astronomische Standorte werden kritisch nach minimaler atmosphärischer
Turbulenz ausgewählt.
Abbildung 1.3.2: Extinktion der Atmosphäre über
das gesamte elektromagnetische Spektrum.
Abbildung 1.3.4: Druck, Temperatur, und Brechungsindex der
Erdatmosphäre mit der Höhe für Cerro Paranal, Nord-Chile.
1.4 Optische Instrumente
1.4.1 Grundlagen der Optik
1.4.1.1 Linsen und Spiegel
Eine Linse ist ein
durch zwei Sphären begrenzter Körper eines transparenten Materials.
Die Brennweite f einer Linse kann positiv oder negativ sein. Eine
Quelle im Undendlichen wird von einer Linse mit positiver Brennweite in
die Brennebene abgebildet. Dabei werden in Winkeln gemessene, scheinbare
Dimensionen a der Quelle in lineare Dimensionen
x
in der Brennebene gemäß

(1.8)
transformiert. Für
kleine Winkel a entspricht der Tangens
dem Winkel im Bogenmaß, somit wird (1.8) zu

(1.9)
Dies ist für Winkel
kleiner als 1 Grad (zwei Vollmonddurchmesser) zu besser als 1:105
erfüllt. Da in der astronomischen Optik Gesichtsfelder selten größer
sind, approximiert man häufig die Winkelfunktionen sin und tan durch
das Bogenmaß.
Die Linse ist ein einfaches
optisches Element. Viele kompliziertere optische Systeme lassen sich durch
eine Folge von Linsen funktionell darstellen.
Ein sphärischer
Spiegel ist einer dünnen Linse funktionell äquivalent. Ein Hohlspiegel
(konvexer Spiegel) entspricht einer Linse mit positiver Brennweite,
ein erhabener (konkaver) Spiegel einer Linse mit negativer Brennweite.
Ein sphärischer Spiegel mit Krümmungsradius R hat eine
Brennweite von

.
(1.10)
Ein sphärischer
Spiegel bildet idealerweise einen Punkt am Ort des Krümmungsmittelpunktes
auf sich selber ab. Die Abbildung eines fernen Objektes auf der Achse unterliegt
Bildfehlern, insbesondere der sphärischen Aberration. Sphärische
Aberration bei Spiegeln läßt sich durch eine geeignete Wahl
einer
asphärischen Spiegeloberfläche im Prinzip auf der
Achse eliminieren. Die gebräuchlichen asphärischen Spiegel sind
Rotationskörper zweidimensionaler Kegelschnitte (parabolische, elliptische
und hyperbolische Spiegel).
1.4.1.2 Optische Systeme und Abbildungsfehler
Durch Kombination einfacher
optischer Elemente entstehen optische Systeme, wie Teleskope und Post-Fokus
- Instrumente.
Bei einem aus konischen
Spiegeln bestehenden System treten Abbildungsfehler auf, welche auf der
Achse verschwinden und im Gesichtsfeld mit wachsendem Abstand von der Achse
zunehmen. Hierzu gehören:
Astigmatismus:
Strahlen innerhalb der Ebene, welche die optische Achse und das Objekt
enthält, haben einen anderen Fokus als Strahlen in einer Ebene senkrecht
dazu (tangetialer bzw. sagittaler Fokus). Es entstehen zwei
in Achsenrichtung axial voneinander getrennte Fokuslinien als Punktbilder.
Koma: Strahlen
durch äußere Zonen sind systematisch gegenüber Strahlen
aus den inneren Zonen radial in der Brennebene versetzt. Es entsteht ein
dreieckiges Punktbild.
Tabelle 1.4.1: Optische Aberrationen. Sphärische Aberration
(links), Astigmatismus (Mitte), Koma (rechts).
1.4.2 Das Astronomische Linsenfernrohr
Das Astronomische Fernrohr
besteht aus zwei Linsen mit positiven Brennweiten f1 und f2
< f1. Die dem Objekt zugewandte Linse heißt Objektiv,
die dem Bild zugewandte Linse Okular. Zur Beobachtung mit dem Auge
wird die bildseitige Brennebene des Objektivs (Primärfokus)
und die gegenstandsseitige Brennebene des Okulars zur Übereinstimmung
gebracht (afokales System). Ein in das Fernrohr unter dem Winkel
a
eintretendes Bündel paralleler Strahlen verläßt das Fernrohr
ebenfalls parallel unter dem Winkel
a`.
Für die Winkelvergrößerung ma
gilt

(1.11)
In aller Regel wird
ein Bündel paralleler Strahlen durch die Fassung des Objektivs begrenzt.
Dieses ist die Aperturblende und gleichzeitig die
Eintrittspupille
des Teleskops. Hinter dem Okular schneiden sich zu verschiedenen Feldwinkeln
gehörende Bündel paralleler Strahlen in einer Ebene senkrecht
zur optischen Achse in einem Kreis kleinsten Durchmessers. Diese Ebene
entspricht dem durch das Okular erzeugte geometrische Bild des Objektivs
und wird
Austrittspupille genannt. Die Größe der Eintrittspupille
bestimmt die Lichtsammelfläche und das Winkel-Auflösungsvermögen
des Teleskops.
Bei einer Vergrößerung
des Abstandes des Okulars vom Objektiv (Defokussierung) um eine Strecke
D
aus der konfokalen Position entwirft das Okular ein reelles Bild des Primärfokus
in einer Scheiteldistanz
bfd von

.
(1.12)
Dieses Bild heißt
Sekundärfokus.
Die Linearvergrößerung m2 im Sekundärfokus
ist gegeben mit

.
(1.13)
Die scheinbare Dimensionen
a
der Quelle wird im Sekundärfokus in eine lineare Dimensionen x2
gemäß
(1.14)
transformiert.
Dem (defokussierten)
Astronomischen Fernrohr sind alle heute verwendeten Teleskope mit zwei
Elementen funktionell äquivalent.
Refraktoren (Teleskope
mit reiner Linsenoptik) spielen seit Beginn des Jahrhunderts aus technologischen
Gründen eine untergeordnete Rolle.
1.4.3 Klassische Spiegelteleskope
Spiegelteleskope werden
im sichtbaren und infraroten Wellenlängenbereich bodengebunden und
im Weltraum eingesetzt. Moderne größere Teleskope werden praktisch
nur als Spiegelteleskope realisiert. Vorteile gegenüber Linsen:
Nur eine Fläche
muß optisch präzise gearbeitet werden.
Hohe numerische Apertur
(Öffnungsverhältnis) möglich.
Die optische Konfiguration
ist unabhängig von der Wellenlänge (Dispersion, chromatische
Aberration).
Die Rückseite
des Spiegels kann durchbrochen sein (Leichtgewichtspiegel) und mechanisch
unterstützt werden.
Das Trägermaterial
muß nicht transparent sein.
Breitere Palette von
Materialien (optische Gläser, Zerodur, SiC, Metalle, etc.).
Nachteile gegenüber
Linsen:
Alle Teleskope mit
Durchmessern > 1m sind Spiegelteleskope.
1.4.3.1 Newtonscher Reflektor
Dies ist die einfachste
Form eines astronomischen Spiegelteleskops. Es besteht aus einem Paraboloiden
(Hauptspiegel) und einem Planspiegel, welcher das Licht kurz vor dem Primärfokus
seitlich auslenkt. Der Primärfokus kann mit einem Okular beobachtet
werden. Das Bild auf der Achse ist aberrationsfrei. Außerhalb der
Achse nehmen Astigmatismus und Koma schnell zu.
1.4.3.2 Cassegrain- und Ritchey-Chrétien-Teleskop
Das Cassegrain-Teleskop
benutzt einen Paraboloiden als Primärspiegel, dessen Primärfokus
mit einem Hyperbolspiegel in den Sekundärfokus (Cassegrain-Fokus)
vergrößert abgebildet wird. Der Primärfokus ist virtuell.
Die Scheiteldistanz von Primärspiegel und Sekundärspiegel
entspricht der Differenz der Scheiteldistanzen ihrer konischen Foci. Durch
die Cassegrain-Konfiguration wird eine kurze Baulänge bei langer effektiver
Brennweite erreicht.
Durch Variation der
konischen Konstanten beider Spiegel der Cassegrain-Konfiguration kann man
erreichen, daß neben der sphärischen Aberration auch die
Koma eliminiert wird (aplanatisches System). Diese Konfiguration
nennt man Ritchey-Chrétien - Teleskop. Beide Spiegel sind hyperbolisch.
Die meisten modernen Spiegelteleskope haben die Ritchey-Chrétien-Konfiguration.
In aller Regel bildet
der Primärspiegel Aperturblende und
Eintrittspupille
des Systems. Die Austrittspupille ist virtuell. Teleskope, die für
den Infrarot-Bereich optimiert sind, benutzen einen kleineren Sekundärspiegel,
welcher zur Aperturblende und Austrittspupille wird. Die Eintrittspupille
ist dann kleiner als der Primärspiegel, virtuell, und liegt hinter
dem Primärspiegel.
Tabelle1.4.2
zeigt ein Beispiel für die optischen Parameter eines modernen Teleskops
des Ritchey-Chrétien - Typs.
|
Hauptspiegel
|
D = 8200 mm, R = 28800 mm, K = -1.004616
|
|
Eintrittspupille
|
D = 8000 mm
|
|
Aperturblende
|
Sekundärspiegel
|
|
Sekundärspiegel
|
D = 1116 mm, R = -4553.6 mm, K = -1.66926
|
|
Primärbrennweite
|
14400 mm (F/1.8)
|
|
Eff. Brennweite:
Cassegrain-Fokus
Nasmyth-Fokus
Coude-Fokus
|
108800 mm (F/13.6)
120000 mm (F/15.0)
399200 mm (F/49.9)
|
Tabelle1.4.2: Optische Parameter der vier Teleskope des Very
Large Telescope der Europäischen Südsternewarte.
1.4.3.3 Gregory - Teleskop
Das Gregory-Teleskop
benutzt einen Paraboloiden als Hauptspiegel, dessen Primärfokus mit
einem elliptischen Spiegel in den Sekundärfokus vergrößert
abgebildet wird. Der Primärfokus ist reell. Die Scheiteldistanz von
Primärspiegel und Sekundärspiegel entspricht der Summe der Scheiteldistanzen
ihrer konischen Foci. Dadurch ist die Baulänge größer als
in der Cassegrain-Konfiguration.
Die Gregory-Konfiguration
spielt hauptsächlich in der Sonnenbeobachtung eine Rolle. Der reelle
Primärfokus erlaubt, einen großen Teil des Sonnenlichts auszublenden
und nur ein kleines Feld zu beobachten.
1.4.4 Montierungen
Neben der Optik spielt
die Montierung - die Mechanik, die mit Hilfe zweier Achsen das Teleskop
am Himmel ausrichtet - eine entscheidende Rolle bei der Beobachtung. Eine
Montierung hat die Aufgabe,
-
das Teleskop möglichst präzise auf ein Himmelsobjekt auszurichten
(einstellen),
-
den Bewegungen eines eingestellten Objekts an der Himmelssphäre möglichst
lange möglichst präzise zu folgen (nachführen).
Ein gut justiertes
modernes Teleskop kann selbständig auf Objekte mit einer Präzision
von wenigen Bogensekunden eingestellt werden. Eine Präzision der Nachführung
von Bruchteilen einer Bogensekunde über längere Zeiträume
bedarf der ständigen Kontrolle der Einstellung durch einen Hilfsstrahlengang
im Feld oder mit Hilfe eines Hilfsfernrohrs (Leitrohr).
1.4.4.1 Parallaktische Montierung
Eine Parallaktische
Montierung (equatorial mount) nutzt den Umstand, daß der weitaus
größte Teil der Himmelsbewegung von der Erdrotation herrührt.
Eine Achse (Polachse) wird parallel zur Erdachse ausgerichtet. Die
zweite Achse (Deklinationsachse) ist an der Polachse befestigt und
trägt das Teleskop. Die zur präzisen Nachführung erforderliche
Bewegung ist eine gleichförmige Rotation der Polachse.
Instrumente werden
in der Regel direkt am Teleskop-Tubus in der Nähe des Sekundärfokus
angebracht (Cassegrain-Fokus). Sie unterliegen daher den selben Bewegungen
wie das Teleskop. Dadurch ändert sich die Gewichtsbelastung kontinuierlich.
Der Vorteil ist ein stabiles, rotationsfreies Bild in der Fokalebene.
Parallaktische Montierungen
sind mechanisch kompliziert und tendieren zu Voluminösität und
Übergewicht. Wegen der Umständlichkeit der schiefen Achsen und
den verschiedenen geographischen Breiten der Observatorien gibt es eine
Fülle von mechanischen Konzepten. Für Großteleskope waren
sie bis in die Siebziger Jahre üblich.
1.4.4.2 Azimuthale Montierung
Moderne, große
Teleskope benutzen eine am Horizontsystem ausgerichtete Montierung. Am
gebräuchlichsten ist die azimuthale Montierung, welche über
eine auf eine vertikale (Azimuth-) Achse mit einer Gabel aufgesetzte, horizontale
Höhenachse verfügt. Dadurch wird das gesamte Teleskop mechanisch
einfacher, kompakter, stabiler und somit billiger. Die ungleichmäßige,
beide Achsen betreffende Bewegung der Nachführung wird durch moderne
Computersteuerungen bewirkt. Ein kleiner Bereich rund um den Zenith ist
nicht beobachtbar.
Der kompakte Aufbau
resultiert in eine kompakte Kuppel. Diese sind heutzutage für die
10m-Klasse von Teleskopen nicht größer als die älterer
Teleskope der 4-5m --Klasse.
Moderne Montierungen
erlauben die Installation von Instrumenten nicht nur am Cassegrain-, sondern
auch an anderen Foci. In der Nasmyth-Konfiguration wird durch einen dritten
Planspiegel im Strahlengang das Licht durch die Höhenachse ausgelenkt.
Dies erlaubt große Installationen auf einer an der Gabel befestigte
Plattform, welche nur der azimuthalen Bewegung unterliegt.
Die azimuthale Montierung
bewirkt eine Rotation des Bildes in der Fokalebene als Funktion der Zeit.
Im Cassegrain-Fokus rotiert das Bild wie der
parallaktische Winkel,
die Pupille ist stationär. Am Nasmyth-Fokus rotieren sowohl Bild als
auch die Austrittspupille, gegeben durch die Höheneinstellung
des Teleskops. In beiden Foci ist eine Bild-Derotation erforderlich, um
lange Belichtungszeiten in den Fokalinstrumenten realisieren zu können.
1.4.4.3 Coudé - Foci
Große Postfokus-Instrumente
lassen sich nicht am Teleskoptubus oder auf eine Nasmyth-Plattform anbringen
und werden in separaten Räumen untergebracht, zu welchen das Sternenlicht
durch einen Strahlengang in der Montierung geleitet werden muß (Coudé
- Strahlengang).
Coudé - Foci
gibt es bei parallaktisch sowie azimuthal montierten Teleskopen. Bei parallaktischen
Montierungen rotiert das Bild mit dem Stundenwinkel, bei azimuthal montierten
Teleskopen ist die Bildrotation eine Kombination des parallaktischen Winkels,
der Höhe und des Azimuths der Quelle.
1.4.5 Sonderformen von Teleskopen
1.4.5.1 Siderostaten und Coelostaten
Siderostaten und Coelostaten
bestehen aus Planspiegeln und werden verwendet, um Licht in ein feststehendes
System, z. B. ein fest montiertes Teleskop, zu lenken.
Ein Siderostat besteht
aus einem i. A. parallaktisch montierten, um zwei Achsen drehbaren Planspiegel,
welcher das Sternenlicht in eine feste Richtung lenkt. Die Himmelsüberdeckung
von Siderostaten ist in aller Regel begrenzt. Einsatzbereich z. B. bei
Stellarinterferometern.
Ein Coelostat besteht
aus einem parallaktisch montierten, nur um eine Achse drehbaren Planspiegel.
Die Spiegeloberfläche enthält dabei die Drehachse. Der Spiegel
wird mit der halben Erdrotationsrate nachgeführt. Das Lichtbündel
ist für jede Deklination raumfest. Ein Hilfsspiegel lenkt das Bündel
in die gewünschte Richtung. Der Coelostat erzeugt keine Bildrotation,
ist aber auf ca.
±30°¼
45° um den Äquator einsetzbar.
Einsatzbereich Sonnenteleskope.
1.4.5.2 Sonnenteleskope
Sonnenteleskope haben
im Vergleich zu Nachtteleskope einige Besonderheiten. Von den klassischen
Teleskopen wird die Newton- und die Gregory-Konfiguration benutzt. Letztere
verwendet im Primärfokus eine Feldblende zur Reduktion des Gesamtflusses.
Die Teleskope sind häufig evakuiert (ca. 0.1 mB), um Fluktuationen
des Brechungsindex der Luft im Teleskop zu vermeiden. Selbst bei moderater
Öffnung von 50 ... 70 cm werden Teleskope dadurch groß und schwer.
Sie werden daher unter Verwendung von Coelostaten fest in ein Gebäude
eingebaut.
|
Durchmesser der Coelostatenspiegel
|
800 mm
|
|
Durchmesser Eintrittsfenster
|
750 mm
|
|
Durchmesser Hauptspiegel
|
700 mm
|
|
Primärbrennweite
|
45640 mm
|
|
Skala im Primärfokus
|
4.52 arcsec mm-1
|
Tabelle 1.4.3: Optische Parameter des Vakuum-Turmteleskop
des Kiepenheuer-Instituts auf Teneriffa.
1.4.6 Winkelauflösung astronomischer Teleskope
1.4.6.1 Beugung an der Eintrittspupille
Die Winkelauflösung
eines Teleskops, d. h., der kleinste Winkel, unter welchem zwei punktförmige
Quellen noch getrennt wahrgenommen werden können, ist grundsätzlich
durch die Beugung an der Eintrittpupille des Teleskops begrenzt. Diese
Grenze gilt für ein ideales, aberrationsfreies Teleskop und in Abwesenheit
jeglicher äußeren Störungen (z. B. ,,seeing"). Im
allgemeinen ist die Form des Punktbildes eine Funktion der Wellenlänge
l
des Lichts, der Brennweite f und der exakten Form der Eintrittspupille.
Für eine kreisförmige Eintrittspupille mit Durchmesser D ohne
zentraler Abschattung entspricht sie der Airyfunktion (s. Abbildung
1.4.1)

.
(1.15)
Durch deren Halbwertsbreite
ist die Auflösungsgrenze gegeben mit

.
(1.16)
Alternativ wird häufig
die Rayleigh'sche Auflösungsgrenze

angegeben,
welche dem radialen Abstand vom Maximum der Airyfunktion zum ersten Minimum
entspricht. Obstruktionen in der Pupille durch Sekundäroptik und Haltekreuze
verändern die Form der Beugungsfigur leicht.
Tabelle 1.4.4
gibt

für verschiedene Wellenlängen an.
|
Teleskopdurchmesser [m]
|
Sichtbar:
l = 0.5 µm
|
Infrarot:
l = 2.2 µm
|
Radio:
l = 3 mm
|
|
0.5
|
0.2060
|
0.9090
|
1235
|
|
10
|
0.0103
|
0.0455
|
61.73
|
|
100
|
0.00103
|
0.00455
|
6.173
|
Tabelle 1.4.4: Auflösungsgrenzen in [arcsec]
In der Praxis begrenzen
optische Fehler und atmosphärische Turbulenz die Auflösung eines
Teleskops erheblich. Aberrationen führen zu Deformationen der Airyfunktion,
wie sie in Tabelle 1.4.1
dargestellt sind.
Atmosphärische
Turbulenz verursacht schwere, zeitlich rasch veränderliche Aberrationen,
die sich zu denen des Teleskops addieren. Abbildung 1.4.2 zeigt
eine Kurzzeitaufnahme eines hellen Sterns (Belichtungszeit 100 ms) mit
einem großen Teleskop. Die Struktur innerhalb des Bildes (Speckle)
entsteht durch die Turbulenz. Obwohl jedes Pünktchen im Bild nur so
groß ist wie die Beugungsgrenze, ist die gesamte Intensität
über ein Feld von etwa 2 Bogensekunden verschmiert. Eine lang belichtete
Aufnahme würde eine konturlose Scheibe von etwa zwei Bogensekunden
zeigen.
Um
die Beugungsgrenze eines Teleskops zu erreichen, kann man die atmosphärischen
Fluktuationen mit Hilfe einer Adaptiven Optik (AO) während
der Beobachtung kompensieren. Solche Systeme sind technologisch sehr anspruchsvoll,
da die Kompensation innerhalb von wenigen Millisekunden erfolgen muss.
Abbildung
1.4.3 zeigt ein mit Hilfe des AO-Systems ADONIS am 3.5m-Teleskop der
ESO kompensiertes Bild eines Doppelsterns.
Abbildung 1.4.1: Airy-Funktion.
Abbildung 1.4.2: Kurzzeitaufnahme eines hellen Sterns.
Abbildung 1.4.3: Kompensiertes (links) und unkompensiertes
(rechts) Bild eines Doppelsterns.
1.4.6.2 Interferometer
In klassischer Teleskop-Bauweise
ist man begrenzt in der größten Ausdehnung der Eintrittspupille.
Die größten Teleskope für den sichtbaren Spektralbereich
haben zur Zeit Durchmesser von 8 ... 10 m (siehe Tabelle 1.4.4).
Damit ist die Winkelauflösung auf ca. 0.01 arcsec limitiert. Eine
Verbesserung läßt sich nur mit einer Vergrößerung
der effektiven Teleskopöffnung
-
der Basislänge - erreichen. Dies erreicht man durch
kohärente
Kombination des Lichtes mehrerer Teleskopspiegel bzw. mehrerer unabhängiger
Teleskope. Solche Systeme nennt man astronomische Interferometer.
Der Aufbau eines Interferometers
entspricht einem Young-schen Beugungsversuch. Das mit dem Interferometer
gemessene Signal ist der Kontrast V (visibility) des sich
durch die Überlagerung des Lichtes mehrerer Teleskope ergebenen Interferenzmusters

(1.17)
Bei einer Quelle mit
sehr geringer scheinbarer Ausdehnung (Sehwinkel) ist der Kontrast hoch,
für ausgedehnte Quellen nimmt er ab (s. Abbildung 1.4.4 ).
Trägt man den
Kontrast als Funktion des in die Richtung der Quelle projizierten Abstandes

zweier Teleskopöffnungen in ein zweidimensionales Diagramm ein, so
erhält man einen Wert für die die
Kontrastfunktion
.
Bei der Kombination mehrerer Teleskope ergibt sich jeweils ein Wert für
alle zur Kombination beitragenden Basislängen. Die Zahl der gemessenen
Werte läßt sich durch Ausnutzen der Erdrotation ggf. erheblich
steigern (
Erdrotations-Synthese).
Mathematisch entspricht
der Kontrastfunktion eine Menge von Fourierkomponenten der Intensitätsverteilung
im Objekt. Mißt man den Interferenzkontrast eines Objektes für
viele Basislängen, so kann man die Objektfunktion rekonstruieren.
Die dabei maximal zu erreichende Auflösung entspricht, bei maximaler
Basislänge

,
einer Grenze von

.
(1.18)
Mit Hilfe eines Interferometers
läßt sich der Winkelabstand von Quellen mit sehr hoher Präzision
- weit besser als das durch die Basislänge gegebene Auflösungsvermögen
- messen. Daher spielen Interferometer in der Astrometrie eine zunehmend
bedeutende Rolle. Observatorien mit mehreren Großteleskopen wie das
Keck
(Hawaii), ESO-VLT (Chile), und das Large Binocular Telescope
(LBT, Arizona) sehen einen kohärent kombinierten (interferometrischen)
Betriebsmodus vor.
Abbildung 1.4.4: Zur Arbeitsweise eines astronomischen Interferometers.
1.4.7 Post-Fokus - Instrumente
Nach dem Entstehen
des Bildes im Fokus eines Teleskops erfolgt eine Analyse des Lichtes. Mögliche
Verfahren sind:
-
direkte Detektion in breiten spektralen Bändern (photometrische Messungen),
-
spektrale Zerlegung und Detektion,
-
Messung der (spektralen) Polarisationseigenschaften.
Ersteres erreicht man
mit Hife breitbandiger Filter im Strahlengang. Die spektrale Zerlegung
wird heutzutage durch schmalbandige Filter und Gitterspektrographen bewerkstelligt.
Im folgenden werden die dazu nötigen experimentellen Methoden näher
erläutert.
1.4.7.1 Spektrographen
Zur spektralen Zerlegung
des Lichts werden heute in erster Linie Reflektionsgitter (Beugungsgitter)
eingesetzt. Ein solches Gitter besteht aus einem mit einer Metallschicht
belegtem Träger (Glasplatte). In die Metallschicht wird mit einer
Strichmaschine mit einem Diamanten ein feines, regelmäßiges
Gittermuster eingraviert. Beugung an dem Gittermuster erzeugt die spektrale
Dispersion.
Bei einem Einfallswinkel

ergeben sich bei einer Wellenlänge
l Beugungsmaxima
in Richtungen
j, welche der Beugungsbedingung
genügen:

.
(1.19)
Dabei sind a
die Gitterkonstante und n ist die Beugungsordnung. Die Änderung
des Beugungswinkels j mit der Wellenlänge
(Winkeldispersion) ist gegeben mit

,
(1.20)
und steigt mit zunehmender
Ordnung. Durch Einstellen des Neigungswinkels der Gitterfurchen (,,Blaze-Winkel")
läßt sich die Beugungseffizienz auf eine bestimmte Ordnung konzentrieren.
Gitterspektrographen
werden vorwiegend als Spaltspektrographen (longslit spectrograph)
ausgelegt. Ein schmaler Spalt schneidet einen Teil der Fokalebene aus.
Das hindurchtretende Licht wird von einem Kollimator parallel gemacht,
bevor es das Gitter erreicht. Das gebeugte Licht wird von einer Kamera
fokussiert, diese erzeugt für jede Wellenlänge ein Bild des Spaltes.
Ein Detektor nimmt das Spektrum auf. Durch Rotieren des Gitters kann der
vom Detektor erfaßte spektrale Bereich eingestellt werden.
Durch das Verwenden
von Glasfaseroptik kann das Licht mehrerer Dutzend bis mehrerer Hundert
Objekte gleichzeitig in einen Spektrographen geleitet und deren Spektren
simultan aufgenommen werden (Multiobjekt-Spektrographie).
Bei einem schmalen
Spalt ist die spektrale Auflösung Dl durch
Beugung begrenzt, und ist gegeben mit

. (1.21)
Dabei ist m die Zahl
der ausgeleuchteten Gitterlinien. Die spektrale Auflösung typischer
Spektrographen reicht von wenigen 104 bis zu 5 105.
Gebräuchliche
Konfigurationen von Spektrographen sind der Littrow-Spektrograph
und der Czerny-Turner-Spektrograph, häufig in einer
Echelle-Konfiguration,
bei welcher sich mehrere Ordnungen überlagern und durch Vorfilter,
Prismen oder ein Gitter mit geringer Dispersion (Vorzerleger bzw. Kreuzdisperser)
getrennt werden müssen.
1.4.7.2 Filtergraphen
Während ein Spaltspektrograph
instantan die Information in einer Wellenlängen- und in einer Winkeldimension
(längs des Spaltes) liefert, kann ein Filtergraph ein Bild der Quelle
in dem Licht einer Wellenlänge erzeugen. Je nach Konstruktion kann
der Durchlaßbereich eines Filtergraphen über mehr oder weniger
große spektrale Bereiche verstellt werden. Wegen der zweidimensionalen
Natur der Quelle werden Filtergraphen insbesondere bei der Sonnenbeobachtung
eingesetzt. Tabelle 1.4.5 faßt einige Prinzipien von Filtergraphen
zusammen.
|
Typ
|
Typische Auflösung [nm]
|
Bemerkungen
|
|
Interferenzfilter
|
0.1 ... 10
|
Mehrfach - Beschichtung
auf Glasträger
Sichtbar, IR
Nicht verstellbar
|
|
Polarisationsinterferenzfilter (Lyot-Filter)
|
0.025 ... 1
|
Kombination von doppelbrechenden
Elementen und Polarisatoren (Kanalspektren)
Sichtbar
z. T. verstellbar, Vorfilter nötig
|
|
Fabry-Pérot - Etalons
|
0.003
|
Kanalspektren der Etalons,
mehrfache Etalons zur Verbesserung der Finesse
Sichtbar
verstellbar, Vorfilter nötig
|
Tabelle 1.4.5: Einige in der Sonnenbeobachtung verwendete Filtergraphen.
1.4.7.3 Detektoren
Bis zur Einführung
der Photographie im letzten Jahrhundert war das Auge der ausschließlich
in der Astronomie verwendete Detektor. Photoplatten und Film spielten lange
Zeit - bis in die achziger Jahre - eine große Rolle und sind erst
seit kurzem von Halbleiterdetektoren verdrängt worden. Zur Zeit
werden für fast alle Anwendungen nur noch charge coupled devices (CCDs)
eingesetzt. Durch ihre Empfindlichkeit, hohe Linearität und gute Stabilität
stellen sie nahezu ideale Detektoren für die Astronomie dar. Die mit
ihnen gesammelten Messungen lassen sich leicht digitalisieren und liegen
sofort in einem für die Computerauswertung brauchbaren Format vor.
Tabelle 1.4.6
faßt die Eigenschaften einiger Detektoren in der Astronomie zusammen.
|
Typ
|
Empfindlichkeit (QE)
|
Bemerkungen
|
|
Photoplatte, Film
|
~0.01
|
Nichtlinear
Dyn. Bereich ( 1/100)
Detektor ist gleich
Speicher
Große Kapazität
|
|
Bildverstärker
|
0.1 ... 0.2
|
Photokathode, SE -
Vervielfachung (106 ... 107)
Geometrische Distorsionen
|
|
Mikrokanalplatte
|
0.1 ... 0.2
|
Photokathode, SE -
Vervielfachung (106 ... 107)
Keine Distorsionen
Empfindlich
|
|
CCD
|
0.3 ... 0.9
|
Dyn. Bereich bis 1/1000,
durch Photonenrauschen begrenzt
Sehr empfindlich
Sehr linear (200000
e- / pixel)
Große Kapazität (bis 40962 pixel)
|
Tabelle 1.4.6: Eigenschaften einiger Detektoren in der Astronomie.