WS
1999 / 2000 Einführung in die Astronomie und Astrophysik
2.5 Zustandsdiagramme
2.5.1 Hertzsprung - Russell - Diagramm (HRD)
Als die absoluten Leuchtkräfte
und die Spektraltypen einiger heller Sterne Anfang dieses Jahrhunderts
bekannt waren, sind die Zusammenhänge dieser Größen von
Ejnar
Hertzsprung und Henry Russell studiert und in ein Diagramm zusammengefasst
worden. Im
Hertzsprung-Russell - Diagramm (HRD) ist die absolute
Helligkeit gegen den Spektraltyp (und damit die Oberflächentemperatur)
aufgetragen.
Das HRD zeigt eine
Häufung von Sternen in mehreren Ästen. Am meisten fällt
die Hauptreihe auf, welche sich diagonal von hohen Leuchtkräften
bei frühen Typen zu niedrigen Leuchtkräften bei späten Typen
erstreckt. Eine weitere Häufung ist bei M
@
0 der Horizontalast der Riesen. Von der Hauptreihe erstreckt sich
bei den Spektralklassen K und M der Rote Riesenast fast vertikal
zu hohen Leuchtkräften. Der asymptotische Riesenast verbindet
den Horizontalast und das leuchtstarke Ende des Roten Riesenasts.
Eine Häufung bei den sehr leuchtschwachen, frühen Typen markiert
das Reich der Weißen Zwerge.
Die Äste markieren
Sterne in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Die Belegung des HRD ist
starken Auswahleffekten unterworfen und selten vollständig. Systematische
Fehler können durch interstellare Verfärbung hervorgerufen werden
(s. u.). HRDs werden zur Analyse wohldefinierter Sternpopulationen verwendet.
Seine Interpretation spielt eine besondere Rolle in der Theorie der Sternentwicklung.
2.5.2 Farb-Helligkeits - Diagramm (FHD)
Ersetzt man den Spektraltyp
im HRD durch den Farbindex (B-V), so erhält man ein
Farben-Helligkeits-Diagramm
(FHD).
Dieses ist dem HRD äquivalent. In vielen Fällen lassen sich die
Farbindices mit großer Genauigkeit ermitteln, so daß FHD gerade
für gut charakterisierte Sterngruppen wichtig sind.
2.5.3 Farb-Farb - Diagramm (FFD), interstellare Verfärbung
Farbindices haben den
Nachteil, daß sie durch interstellare Absorption verfälscht
sein können. Diese wird vorwiegend durch Staubteilchen mit Dimensionen
~ l hervorgerufen und ist proportional
zu l-1. Lange Wellenlängen
werden daher weniger absorbiert (interstellare Verfärbung, Rötung,
reddening). Die interstellare Absorption ist stark ortsabhängig. Sie
läßt sich mit Hilfe eines Farb-Farb-Diagramms für
wohldefinierte Sternengruppen (z. B. Mitgliedern von Haufen) bestimmen.
In einem FFD werden
zwei Farbindices, z. B. (U-B) gegen (B-V), aufgetragen. Für schwarze
Körper würde sich fast eine Gerade ergeben. Aufgrund der Physik
der Sternatmosphären ergibt sich für unverfälschte Indices
(
Eigenfarbe) (U - B)
0 und (B - V)
0 eine Wellenlinie.
Eine Rötung verschiebt die Welle diagonal um die
Farbexzesse
bzw.

.
Bei bekannter Eigenfarbe läßt sich der Farbexzeß und damit
bei bekanntem Färbungsgesetz die Absorption bestimmen.
2.5.4 Doppelsterne und Sternmassen
Die Massen der Sterne
läßt sich nur über die Gravitation bestimmen und ist daher
auf die Messung von Doppel- und Mehrfachsysteme beschränkt. Allerdings
sind die Mehrheit der Sterne Mitglieder von Mehrfachsystemen. Die Massenbestimmung
erfolgt durch Beobachtung einiger Bahnparameter in Doppelstern-Systemen
in Verbindung mit den Kepler'schen Gesetzen.
2.5.4.1 Visuelle Doppelsterne
Bei visuellen Doppelsternen
kann man beide Komponenten und ihre relative Bewegung direkt beobachten
und erhält die scheinbare große Halbachse a der Bahnellipse
(in [arc sec]) sowie die Periode P in Jahren. Bei bekannter Parallaxe
p
ergibt sich die Summe der Massen mit

.
(2.42)
Ist außerdem
die Position des Schwerpunktes bekannt (durch Astrometrie mit Referenzsternen
nahebei), so lassen sich die Massen einzeln ermitteln.
Mitunter ist nur eine
Komponente sichtbar und verrät seinen Partner durch eine periodische
Komponente in der Eigenbewegung (astrometrischer Doppelstern).
2.5.4.2 Spektroskopische Doppelsterne
Bei spektroskopischen
Doppelsternen können die Komponenten nur aufgrund der durch den Orbit
entsteheden Variationen der Sichtliniengeschwindigkeit getrennt, aber nicht
separat im Fokus beobachtet werden. Im Spektrum sieht man zwei sich periodisch
gegeneinander verschiebende Systeme von Spektrallinien. Nach dem Dopplereffekt
entspricht der maximalen relativen Verschiebung eine Geschwindigkeit
v.
Da die Lage der Bahnebene zum Beobachter, gegeben durch den Neigungswinkel
i
der Normalen zur Beobachtungsrichtung, i. A. nicht bekannt ist, kennt man
auch die wahre Bahngeschwindigkeit des Systems
v0 nicht.
Die Geschwindigkeiten hängen zusammen mit

,
so sind viele Größen spektroskopischer Doppelsternsysteme um
eine Potenz von
sin i unsicher.
Zur Geometrie spektroskopischer Doppelsterne.
Die beiden scheinbaren
Geschwindigkeitskomponenten vj (j = 1,2) lassen sich bei Kreisbahnen
aus dem Spektrum ermitteln. Mit ihnen erhält man aus
(2.43)
das Massenverhältnis.
Aus dem Hebelgesetz und dem 3. Keplerschen Gesetz erhält man außerdem
die Massenfunktion
.
(2.44)
Durch Kombination von
(2.43) und (2.44) lassen sich die Größen mj sin3
i ermitteln.
Bei elliptischen Bahnen
lassen sich die Exzentrizität und die Länge des Periastrons aus
den Geschwindigkeitskurven bestimmen, und man erhält die Massen wiederum
bis auf einen Faktor sin3 i.
2.5.4.3 Bedeckungsveränderliche
Schaut man hinreichend
genau entlang der Bahnebene, so können sich die Komponenten eines
Doppelsternsystems gegenseitig bedecken ("Bedeckungsveränderliche").
Diese Okkultationen rufen periodische Variationen der Leuchtkraft hervor.
Aus der Form der Lichtkurve lassen sich Rückschlüsse auf die
Bahnparameter ziehen. Insbesondere erhält man die Radien der Sterne
sowie die Inklination i. Kennt man außerdem spektroskopische Geschwindigkeiten,
so lassen sich die absolute Bahn, die Massen und die mittleren Dichten
der Komponenten bestimmen.
Archetyp eines Bedeckungsveränderlichen
ist b Persei (Algol) mit einer
Periode von P = 2.87d. Einige Doppelsterne sind einander so nah, daß
es zum Massenaustausch kommen kann (b
Lyrae - Sterne), oder haben eine gemeinsame Atmosphäre (W UMa - W
Ursae Majoris - Sterne), sogenannte Kontakt-Doppelsterne.
2.5.4.4 Die Masse-Leuchtkraft - Beziehung
Sternenmassen variieren
zwischen 0.08 und ca. 100 Sonnenmassen, der größte Teil der
Sterne hat Massen zwischen 0.3 und 3 Sonnenmassen. Trägt man die Leuchtkraft
der Sterne gegen ihre Masse auf, so ergibt sich für Hauptreihensterne
ein gut etablierter Zusammenhang, die Masse-Leuchtkraft-Beziehung. Für
Sterne schwerer als etwa 0.2 Sonnenmassen ist der Zusammenhang empirisch
grob durch ein Potenzgesetz gegeben,

.
(2.45)
Dieser Zusammenhang
legt nahe, daß Hauptreihensterne sich in einem vergleichbaren Entwicklungsstadium
befinden und daß die Masse das wesentliche, die Leuchtkraft bestimmende
Element ist.
2.6 Innerer Aufbau von Sternen
Sterne sind immense
Gaskugeln mit Massen, die etwa das 105 ... 106 -
fache der Erdmasse entsprechen. Aus geologischen Untersuchungen weiß
man, daß die Sonne sein ca. 5 109 Jahren eine nahezu unveränderte
Leuchtkraft hat und sich somit kaum geändert haben dürfte. Die
Beobachtungen der physikalischen Charakteristiken der Sterne lassen darauf
schließen, daß der gegenwärtige Zustand der Sonne repräsentativ
ist für die weitaus größte Mehrheit der Sterne - der Hauptreihensterne.
Die Physik des inneren Aufbaus der Sterne muß sowohl diese zeitliche
Stabilität wie auch die beobachtete Bandbreite physikalischer Zustände
- d. h. Massen, Leuchtkräfte, Effektivtemperature - konsistent erklären.
Physikalische Modelle
der Sterne gibt es seit Anfang des Jahrhunderts, basierend auf der Thermodynamik.
Aber erst als mit der Kernfusion eine vernünftige Erklärung der
Energieerzeugung in Sternen gefunden wurde (CNO-Zyklus, Bethe und Weizsäcker,
1938), waren konsistente Modelle möglich. Ein Satz von vier Differentialgleichungen
und drei Materialgleichungen reicht aus, um den Zustand vieler Sterne hinreichend
genau zu beschreiben. Die Lösung dieser Gleichungen wird numerisch
vollzogen, somit sind genaue Modelle erst mit Aufkommen leistungsfähiger
Computer entstanden.
2.6.1 Gleichgewichtsbedingungen
Mathematisch lassen
sich die Gleichgewichtsbedingungen mit Differentialgleichungen beschreiben,
welche die Verteilung der Masse M, des
Drucks P,
der Temperatur T, und der
Energieerzeugung e
beschreiben. Man nimmt Isotropie an (kein rotierender Stern!), somit
sind alle physikalischen Größen nur Funktion des
radialen
Abstandes r vom Zentrum des Sterns.
2.6.1.1 Hydrostatisches Gleichgewicht
Die Gravitation erzeugt
eine zum Zentrum gerichtete Kraft, der Gasdruck des Sternmaterials wirkt
dieser Kraft entgegen. Im Gleichgewichtszustand heben sich beide Kräfte
in jedem Abstand vom Zentrum auf.
Die auf die Materie
in einem Volumenelement dV = dAdr (dA: Flächenelement
auf einer Kugelschale, dr: Höhe des Elements) im Abstand
r vom Zentrum wirkende Gravitationskraft dFg ist
bestimmt durch den Bruchteil M(r) der Sternmasse innerhalb der Kugel
mit Radius r

.
(2.45)
Der Gasdruck am unteren
Rand des Volumenelements sei P, der am oberen Rand sei
P + dP.
Die resultierende Kraft ist
.
(2.46)
Im Gleichgewichtsfall
heben sich die Kräfte auf, also gilt
.
(2.47)
Gleichung (2.47) beschreibt
das hydrostatische Gleichgewicht.
Zum hydrostatischen Gleichgewicht
2.6.1.2 Kontinuitätsgleichung
Die
Kontinuitätsgleichung
beschreibt die innerhalb eines gegebenen Radius r vorhandene Masse

(2.48)
2.6.1.3 Energieerhaltung
Jede innerhalb des
Sterns erzeugte Energie muß im Gleichgewicht an die Oberfläche
transportiert und in den Weltraum abgestrahlt werden. Wir bezeichnen
mit L(r) den Energiefluß [W] durch eine Kugelschale mit Radius
r,
und mit e(r) die Energieerzeugungsrate
pro Masseneinheit [W kg-1]. Damit erhalten wir für eine
Kugelschale mit Radius r und Dicke dr

.
(2.49)
Daraus ergibt sich
als Energieerhaltungsgleichung
.
(2.50)
2.6.1.4 Energietransport und Temperaturgradient
Die im Stern erzeugte
Energie kann nach außen transportiert werden durch die Mechanismen
Wärmeleitung, Konvektion, oder Strahlung. Die Art des dominanten Mechanismus
hängt vom Zustand der Materie und vom Temperaturgradienten

ab.Wärmeleitung ist bei normalen Sternen sehr ineffizient und spielt
keine Rolle.
Beim Energietransport
durch Strahlung werden Photonen in heißeren Gebieten emittiert und
in kühleren Gebieten absorbiert und führen lokal zur Aufheizung.
Im Falle eines Netto-Energiestroms durch Strahlungstransport stellt sich
der radiative Temperaturgradient ein. Um diesen aus der Strahlungsstransportgleichung
(2.17) zu berechnen, kombiniert mit (2.26) und unter Berücksichtigung,
daß der Strahlungstransport in radialer Richtung erfolgt (mit q
als Winkel zur vertikalen Richtung), ergibt sich nach Integration über
alle Wellenlängen

.
(2.51)
Im Unterschied zu den
vorher verwendeten, auf das Volumen bezogenen Absorptionskoeffizienten
k
(Einheit [m-1]) betrachten wir hier den
Massenabsorptionskoeffizienten
(Einheit [m2 kg-1]). Es gilt
.
Da über die Wellenlänge integriert ist, ist für
ein (harmonischer) Mittelwert zu verwenden (Rosseland-Opazität).
Man multipliziert (2.51)
mit
und integriert über alle Richtungen. Auf der rechten Seite ergibt
sich der Gesamtstrahlungsstrom F (2.6), da die Integration über
die Kirchhoff-Plack-Funktion
verschwindet. Somit ergibt sich aus (2.51)
.
(2.52)
Im Sterneninneren kann
man davon ausgehen, daß das Strahlungsfeld nahezu isotrop ist und
die Integration über
auf den Term
beschränkt ist. Außerdem kann man die Gesamtintensität
als Funktion der Temperatur nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz angeben mit
.
Somit ergibt sich (2.52) zu
(2.53)
Der Strahlungsstrom
F
ist also proportional zum Gradienten der Energiedichte aT4
(siehe (2.30)) und der "Leitfähigkeit"
der Materie bezüglich Photonen. Die gesamte, durch eine Kugelschale
mit Radius r fließende Strahlungsenergie ergibt sich aus (2.53)
durch Multiplikation mit der Schalenfläche
(2.54)
Hieraus ergibt sich der
Ausdruck für den Temperaturgradienten bei Strahlungstransport.
Gleichung (2.54) beschreibt
den Temperaturgradienten in stabilen Schichtungen des Sterninneren. Energietransport
durch Konvektion tritt dann ein, wenn der Temperaturgradient den adiabatische
Temperaturgradient
(2.55)
vom Betrag her übersteigt.
Dies kann eintreten, wenn z. B. der Absorptionskoeffizient groß wird.
In diesem Falle verstärken sich kleine Störungen der Temperatur-
und Druckschichtung, und Energie wird nun durch Materieströmungen
transportiert, es bildet sich eine Konvektionszone aus.
Hauptreihensterne späten
Typs haben z. T. sehr ausgedehnte äußere Konvektionszonen.
Auch bei der Sonne ist die äußeren ca. 30% des Radius konvektiv.
In diesen Bereichen ist (2.55) u. U. keine gute Approximation, und man
muß den Temperaturgradienten mit Hilfe der Mischungsweg-Theorie
berechnen.
2.6.1.5 Randbedingungen und Lösbarkeit
Die Gleichungen (2.47),
(2.48), 2.50) sowie entweder (2.54) oder (2.55) stellen ein System dar,
mit welchem man die Gleichgewichtskonfiguration eines Sterns berechnen
kann. Zur vollständigen Lösung sind einige Randbedingungen sowie
Materialgleichungen
- die Physik beinhaltende Zustandsgleichung,
Opazität
und
Energieerzeugung - erforderlich, um das Problem lösbar
zu machen. Als Randbedingungen werden verwendet:
M(0) = L(0) = 0 (die
eingeschlossene Masse und die Leuchtkraft verschwinden im Zentrum),
M(R) = M (am äußeren
Rand entspricht die eingeschlossene Masse der Gesamtmasse),
P(R) = T(R) = 0 (am
äußeren Rand verschwinden Druck und Temperatur).
Durch Angabe einer
Gesamtmasse und der chemischen Zusammensetzung ist die Gleichgewichtslösung
für einen Stern im wesentlichen eindeutig (Vogt-Russell-Theorem).
2.6.2 Zustandsgleichung des Gases
Die Zustandsgleichung
des Gases beschreibt den Zusammenhang zwischen Druck und Temperatur im
Sterninneren. Aufgrund der hohen Temperatur ist das Gas vollständig
ionisiert. Bei Dichten unterhalb von 107 [kg m-3]
läßt sich der Gasdruck gut durch die ideale Gasgleichung beschreiben,

.
(2.56)
Dabei ist m
das mittlere Atomgewicht und mH die Masse des Wasserstoffatoms.
Das mittlere Atomgewicht m läßt
sich berechnen unter Berücksichtigung vollständiger Ionisation.
In der Astrophysik wird der relative Massenanteil von Wasserstoff
mit X bezeichnet, der von Helium mit Y und der aller anderen Elemente mit
Z, so daß gilt X + Y + Z = 1. Jedes Atom erzeugt (Kernladungszahl
plus eins) freie Teilchen (Atomkern plus freie Elektonen). Alle Elemente
schwerer als Helium erzeugen ungefähr die Hälfte ihres Atomgewichtes
an freien Teilchen. Das mittlere Atomgewicht ist daher in guter Näherung
.
(2.57)
Bei hohen Temperaturen
spielt der Strahlungsdruck
(2.58)
eine signifikante Rolle.
Der Gesamtdruck ergibt sich damit zu
(2.59)
Bei sehr hohen Dichten
(Weiße Zwerge, Neutronensterne, Kerne von Riesensternen) treten Abweichungen
vom idealen Gas durch Degeneration der Elektronen auf. In diesem Falle
gilt (2.56) nicht mehr, und der Druck kann unabhängig von der Temperatur
werden.
In den äußeren
Hüllen der Sterne sind ebenfalls die Abweichung von totaler Ionisation
erheblich. Hier wird insbesondere (2.57) nicht mehr gelten. Im allgemeinen
muß man diese Abweichungen detailliert betrachten und hat nur einen
generellen Zusammenhang zwischen Druck und Temperatur
.
2.6.3 Energieerzeugung
Aufgrund der langen
Lebensdauer von Sternen - ca. 1010 Jahre für sonnenähnliche
Sterne - kann ihre Leuchtkraft nur durch einen im Zentrum stattfindenden
thermonuklearen
Prozeß erklären. Dabei werden leichte Atomkerne zu schwereren
in einem exothermen Prozeß verschmolzen. Die Masse eines Kerns ist
kleiner als die Summe der Masse seiner (freien) Nukleonen, und die Bindungsenergie
pro Nukleon ist gegeben mit

.
(2.60)
Dabei sind mp
und mn die Massen freier Protonen und Neutronen, Z und N
die Zahl der Protonen und Neutronen im Kern, und m(Z,N) die Kernmasse.
Die Bindungsenergie Q steigt mit zunehmender Kernladungszahl Z
bis Z = 28 an und nimmt danach wieder ab. Leichte Elemente können
in Sternen also unter Energiegewinn bis zum Eisen (Z = 28) fusioniert
werden. Die effektivste Reaktion ist die Verschmelzung von Wasserstoff
zu Helium; bei jedem Prozeß werden dabei 4.1 10-12 J (oder
0.7% der Masse) frei. Pro kg Sternmaterie entspricht dies einer Kapazität
von 6 1014 J. Bislang hat die Sonne ca. 3 1013 J
pro kg verbraucht!
Die Summe aller bei einer
gegebenen Temperatur und gegbenen Radius stattfindenen Kernreaktionen bestimmen
die Energieerzeugung e(r), die sich
im allgemeinen als Funktion von Temperatur, Dichte, und chemischer Zusammensetzung
darstellen läßt (
).
Im folgenden stellen wir wichtige Kernverschmelzungsreaktionen vor.
2.6.3.1 Proton-Proton-Kette
Diese Reaktionskette
erzeugt in mehreren Schritten 4He aus 1H und ist
der wichtigste Prozeß in der Sonne. Er umfaßt die Umwandlungen
von 1H in 2H (Deuterium), von Deuterium in 3He,
und von 3He in 4He in drei verschiedenen Unterketten.
Zu bemerken ist, daß der erste Schritt (1H + 1H
®2H
+ e+ +
ne) eine
sehr geringe Wahrscheinlichkeit hat. Bei der Temperatur und dem Druck im
Sonneninneren verschmilzt ein Proton im Mittel alle 1010 Jahre
zu einem Deuteron. Dies erklärt die lange Lebensdauer der Sonne!
Der zweite Schritt erfolgt sehr schnell, daher ist Deuterium in der Sonne
sehr rar.
Die freiwerdenden elektonischen
Neutrinos ne können die
Sonne ungehindert verlassen. Geeignete Detektoren können sie auf der
Erde nachweisen und somit Aufschluß über die tatsächlichen
Verhältnisse in Sonneninneren geben.
2.6.3.2 Kohlenstoff-Zyklus
Diese Reaktionskette
ist sehr effizient bei Temperaturen oberhalb von 1.8 107 K.
Hier wirkt Kohlenstoff 12C als "Katalysator", welcher im Laufe
des Zyklus in 13N,
13C, 14N, 15O,
15N
und durch Abgabe eines Alpha-Teilchens wieder in 12C verwandelt
wird (daher auch "CNO-Zyklus").
2.6.3.3 Alpha- und Tripel-Alpha-Reaktionen
Bei Temperaturen oberhalb
von 108 K kann sich Helium in Kohlenstoff durch die "3a-Reaktion"
bilden ("Helium-Brennen")
(1) 4He
+
4He ® 8Be
(2) 8Be
+
4He
® 12C
+
g
Beryllium ist sehr instabil
und die Wahrscheinlichkeit der umgekehrten Reaktion (1) ist viel höher
als die der Reaktion (2). Es müssen drei
4He-Kerne nahezu
simultan zusammenkommen, daher der Name "Tripel-Alpha-Reaktion".
Durch Reaktion mit Helium
können sich aus 12C höhere Kerne bilden:
(3) 12C +
4He
®
16O + g
(4) 16O +
4He ® 20Ne + g
(5) 20Ne +
4He
®
24Mg + g
2.6.3.4 Kohlenstoff- Sauerstoff- und Silizium-Brennen
Diese Reaktionen treten
in fortgeschrittenen Stadien der Sternentwicklung, und nur bei Sternen
mit hinreichend großer Masse auf.
Kohlenstoff-Brennen,
nach Verbrauch allen Heliums, bei T = (5 ... 8) 108 [K]:
(6) 12C
+
12C
® 24Mg
+ g
23Na + p
20Ne + 4He
23Mg + n
16O + 2 4He
Sauerstoff-Brennen,
bei etwas höheren Temperaturen:
(7) 16O
+
16O ® 32Si
+ g
31P + p
28Si + 4He
31S + n
24Mg + 2 4He
Silizium-Brennen
produziert im Endeffekt Nickel und Eisen, kurz dargestellt mit
28Si + 28Si
®56Ni
+ g
56Ni ®56Fe
+ 2e+ + 2ne
Bei allen Prozessen
ist die Temperatur so hoch, daß über die schwache Wechselwirkung
aus thermischer Energie Neutrinos erzeugt werden, welche den Stern ungehindert
verlassen. Die so abgeführte Energie ist von vergleichbarer Energie
wie die durch thermonukleare Reaktionen erzeugte Energie.
2.6.3.5 Sonstige Reaktionen
Bei sehr hohen Temperaturen
< 109 [K] kann die Energie der Photonen Kerne spalten (Photodissoziation).
Umgekehrt können durch Neutroneneinfang Kerne von höherer Masse
als Eisen entstehen, allerdings nur während der letzten, sehr energetischen
Entwicklungsphase schwerer Sterne (Supernovae) sowie in Roten Riesen
(s-Prozeß).
2.6.4 Opazität
Auch der Massenabsorptionskoeffizient

läßt sich als Funktion von Dichte und Temperatur, und chemischer
Zusammensetzung darstellen. Die Opazität ist über die Wellenlängen
gemittelt (2.51); um diese Mittelung durchführen zu können, muß
die Wellenlängenabhängigkeit genau bekannt sein. Dazu ist die
Wahrscheinlichkeit, mit der ein Photon der Energie
hn
absorbiert oder gestreut werden kann, zu bestimmen. Dies geschieht durch
Betrachten der Übergänge aller in Frage kommenden Atome, Ionen
oder Elektronen und ist sehr aufwändig. Dies wird in
Abschnitt
2.9 genauer betrachtet. Im allgemeinen sind die folgenden Prozesse
zu beachten.
Gebunden-gebunden-Absorption
durch den Übergang eines Elektrons zwischen diskreten gebundenen Zuständen
in einem Atom oder Ion. Dieser entspricht einer definierten Frequenz n.
Natürliche Breite der Absorptionslinie, Dopplerverbreiterung und Druckverbreiterung
beeinflussen das Absorptionsquerschnitt.
Gebunden-frei-Absorption
(Photoionisation) durch den Übergang eines gebundenen Elektrons in
einen ionisierten Zustand, wenn die Photonenenergie die Ionisationsenergie
eines Atoms/Ions überschreitet. GF-Übergänge führen
zu Ionisationskanten in der Opazität bei der Ionisationsenergie mit
anschließenden Kontinua ~ n-3.
Frei-frei-Absorption
(inverse Bremsstrahlung) wird durch freie Elektronen bei Vorhandensein
dritter Teilchen bewirkt. Der Wirkungsquerschnitt hängt von der Geschwindigkeitsverteilung
der Elektronen ab und ist ebenfalls ~ n-3.
Elektronenstreuung
(Thomson-Streuung) ist unabhängig von der Frequenz und hängt
ab von der Elektronendichte.
Die Berechnung des Rosseland-Mittels
für
beinhaltet das Integral über die Frequenz der Summe der Absorptionsquerschnitte
mal den Teilchendichten der entsprechenden Spezies. Letztere werden aus
der Boltzmann- bzw.
Saha-Gleichung ermittelt. Siehe auch
Abschnitt
2.9.
2.6.5 Sternenmodelle
Zur Lösung der
Differentialgleichungen sowie der Materialgleichungen werden Computerprogramme
verwendet. Das Resultat sind Gleichgewichtsmodelle von Sternen. Die Abbildung
zeigt das Resultat einer solchen Modellrechnung in Form der Verteilung
von Masse, Leuchtkraft, Druck, Temperatur, Dichte, Wasserstoffhäufigkeit
und mittleres Molekulargewicht als Funktion des geometrischen Radius für
die heutige Sonne.
2.7 Überblick über die
Sternentwicklung
Computermodelle wie
im letzten Kapitel vorgestellt beschreiben zwar ein Gleichgewicht eines
Sterns, jedoch ist offensichtlich, daß Brennstoff verbraucht wird
und sich damit die chemische Zusammensetzung des Sterns als Funktion des
Radius ändert. Modelle müssen daher so konstruiert sein, daß
sie eine zeitliche Abfolge von Gleichgewichtszuständen beschreiben
können. Hiermit kann man die Entwicklung von Sternen durch die verschiedenen
Phasen der Energieerzeugung studieren und mit den Beobachtungen vergleichen.
In diesem Kapitel betrachten wir im Überblick die aus diesen Betrachtungen
erwachsenden Erkenntnisse über die Entwicklung von Sternen.
2.7.1 Zeitskalen der Entwicklung
Verschiedene physikalische
Prozesse beeinflussen die Sternentwicklung mit verschiedenen charakteristischen
Zeitskalen.
2.7.1.1 Nukleare Zeitskala
Die nukleare Zeitskala
ist gegeben durch den nuklearen Energievorrat eines Sterns dividiert durch
seinen Energieverlust während der Phase der nuklearen Energieproduktion,
d. h. seine Leuchtkraft. Diese Skala wird dominiert durch das Wasserstoffbrennen.
Man weiß aus Modellrechnungen, daß sonnenähnliche Sterne
ca. 10% ihres Vorrates an H in He verbrennen. Von diesem Anteil werden
0.7% der Masse in Energie umgewandelt. Die Abschätzung der nukllearen
Zeitskala läßt sich nun anhand der bekannten Sonenmasse und
Sonnenleuchtkraft abschätzen:

[Jahre]
. (2.61)
Aus der Masse-Leuchtkraft-Beziehung
(2.45) läßt sich abschätzen:
[Jahre]
, (2.62)
also nimmt die nukleare
Zeitskala mit zunehmender Masse des Sterns stark ab! Dies liegt daran,
daß die Leuchtkraft mit zunehmender Masse stark ansteigt und
ein massiver Stern seinen nuklearen Brennstoff viel schneller verbraucht
als einer mit geringer Masse. So hat ein Stern mit
eine nukleare Zeitskala von nur 2 106 Jahren.
2.7.1.2 Thermische Zeitskala
Die thermische Zeitskala
ist die Zeit, in welcher ein Stern seine thermische Energie ohne Energieproduktion
abstrahlen würde. Diese Zeit ist identisch der Zeit, welche die
Strahlung von ihrer Entstehung im Zentrum bis zur Oberfläche benötigt.
Man kann die thermische Zeitskala abschätzen mit Hilfe des Virialsatzes,
der besagt, daß im Gleichgewichtszustand die mittlere kinetische
(und damit thermische) Energie die Hälfte der potentiellen Energie
beträgt. Daher:

[Jahre]
. (2.63)
Für die Sonne
ist
tth also 20 Mio. Jahre und wird von der Strahlungszone
dominiert (der Energietransport durch die Konvektionszone hat eine
viel kürzere Zeitskala von einigen 105 Jahren).
2.7.1.3 Dynamische Zeitskala
Die dynamische Zeitskala
beschreibt, in welchem Zeitraum ein Stern unter seiner Gravitation kollabieren
würde, wenn der inner Druck plötzlich wegfiele. Die ist gegeben
durch die Zeit, die ein Teilchen im freien Fall vom Rand bis zum Zentrum
benötigt und entspricht der halben Periode aus dem 3. Keplerschen
Gesetz für eine große Halbachse von R/2:

. (2.64)
Für die Sonne
beträgt
td etwa eine halbe Stunde.
2.7.2 Vor-Hauptreihen-Entwicklung
Die Vor-Hauptreihen-Entwicklung
umfaßt die frühen Phasen der Sternentstehung bis zum Beginn
des Wasserstoff-Brennens, mit welchem dich der Stern auf der Hauptreihe
als zero-age main sequence (ZAMS) star einfindet. Diese Phase
läuft in folgenden Schritten ab,
-
Ein Stern entsteht, wenn ein Gebiet in einer Molekülwolke (im wesentlichen
H2) kondensiert und durch die eigene Gravitation zusammenzieht.
Freiwerdende Gravitationsenergie wird in thermische umgewandelt und wegen
der geringen Opazität schnell abgestrahlt. Dynamische Zeitskala.
-
Druck und Dichte im Zentrum der Kondensation steigen, und damit die Opazität.
Dadurch steigt die Temperatur, der entstehende Druck im Zentrum wirkt dem
freien Fall entgegen. Äußere Bereiche kontrahieren immer noch
im freien Fall. Ein solches Gebilde nennt man einen Protostern.
Radius ca. 100 AU.
-
Die Temperatur im Zentrum steigt weiter an. Bei einer Temperatur von 1800
K dissoziiert H2, bei 104K ionisiert H, bei 105K
ionisiert He. Jeder Prozeß konsumiert Energie, welcher nicht in thermische
Energie umgewandelt wird und nicht zur Erhöhung des Drucks führt.
In diesen Phasen steigt die Konzentrationsrate an.
-
Bei 105K ist das Gas praktisch komplett ionisiert. Die Kontraktion
hört auf und der Protostern nähert sich dem hydrostatischen
Gleichgewicht. Radius ca. 0.25 AU. Der Protostern ist in eine Molekularwolke
eingebettet und akkretiert Material, die Masse steigt weiterhin. Durch
die geringe Zentraltemperatur ist die Opazität hoch und der gesamte
Stern ist konvektiv. Seine Leuchtkraft ist daher hoch. Der Protostern erreicht
die Hayashi-Linie im HRD. Diese zeichnet voll konvektive Sterne
im Gleichgewicht aus. "Rechts" von der Hayashi-Linie können keine
Sterne im Geichgewicht existieren, sie kollabieren mit der dynamischen
Zeitskala. Die genaue Position auf der Hayashi-Linie hängt von der
Masse ab.
-
Der Stern entwickelt sich nun mit der thermischen Zeitskala. Leuchtkraft
und Radius nehmen ab, Zentraltemperatur und Druck steigen. Damit nimmt
die Opazität im Zentrum ab, der Strahlungstransport wird dominant,
bis der größte Teil des Sterns radiativ wird.
-
Bislang war Gravitation die einzige Energiequelle. Mit zunehmender Zentraltemperatur
setzen Kernreaktionen ein. Zunächst werden die leichten Elemente
(Li, Be, B) zu He verbrannt, bevor die komplette pp-Kette einsetzt. Zu
diesem Zeitpunkt nimmt die Oberflächentemperatur zu, der Stern
bewegt sich nach "links" im HRD.
-
Bei einer Zentraltemperatur von 4 106 K setzt die pp-Kette ein
und beendet die Phase der Kontraktion. Nach kurzer Zeit befindet sich der
Stern am Beginn der stabilen und ruhigen Hauptreihenphase.
Die Masse des Sterns
bestimmt wesentlich die Dauer der einzelnen Schritte. Für sonnenähnliche
Sterne dauert die schnelle Phase des Kollaps zu einem Protostern nur einige
hundert Jahre, die von der thermischen Skala dominierte spätere Phase
einige 10
7 Jahre. Ein Stern mit

kontrahiert zur Hauptreihe in 6 10
4 Jahren, ein Stern mit

braucht mehrere 10
8 Jahre. Das Massenspektrum ist durch den
Kontraktionsprozeß nach oben beschränkt. Der Strahlungsdruck
eines massiven Protosterns übersteigt die Gravitationskraft, so daß
die Akkretion be ca. 100 Sonnenmassen stoppt (die massivsten bekannten
Sterne haben 70 Sonnenmassen). Sterne mit Massen von weniger als 0.08 Sonnemassen
erreichen eine für das Wasserstoffbrennen ausreichende Zentraltemperatur
nicht (
Braune Zwerge).
Sterne sind in der
Kontraktionsphase nur schwer zu beobachten, da sie in dichten Molekül-
und Gaswolken verborgen sind. Man findet sie in
Sternentstehungs-Gebieten
(HII-Regionen), z. B. im Orion-Nebel und im Taurus-Gebiet. Bekannte
junge Sterne sind die
T Tauri - Sterne, deren hohe Li-Häufigkeit
zeigt, daß ihre Zentraltemperatur noch nicht sehr hoch sein kann.
Sie sind mitunter mit Herbig-Haro-Objekten assoziiert, welche durch
einen zu einem Jet kollimierten Sternenwind entstehen. Man glaubt, daß
letzterer durch die Interaktion des Sterns mit einer zirkumstellaren Scheibe
entsteht, welche ein Resultat der Kontraktionsphase sind und Vorläufer
von Planetensystemen sein können.
2.7.3 Hauptreihenphase
Während der Hauptreihenphase
entwickeln Sterne sich relativ langsam gemäß der nuklearen Zeitskala.
Sonnenähnliche Sterne verbringen hier 1010 Jahre, Sterne
mit einem Viertel der Sonnenmasse ca 7 1010 Jahre, Sterne mit
15 Sonnenmassen allerdings nur 107 Jahre. Aus diesem Grund ist
das untere Ende der Hauptreihe dicht besetzt, das obere nur dünn.
Es gibt Unterschiede zwischen Sterne der unteren und der oberen
Hauptreihe.
2.7.3.1 Obere Hauptreihe
Für Sterne mit

übersteigt die Zentraltemperatur 1.8 10
7 K und der CNO-Zyklus
wird dominant. Wegen der Temperaturabhängigkeit ist die Energieproduktion
auf den Kern konzentriert und sehr hoch. Daher entwickelt sich ein konvektiver
Kern. Außerhalb erhält sich ein Strahlungsgleichgewicht bis
zur Sternoberfläche. Gegen Ende der Entwicklung ist H im Zentrum aufgebraucht
und der Kern schrumpft schnell. Die Temperatur wächst in den äußeren
Bereichen, wo Wasserstoffbrennen wieder einsetzt.
2.7.3.2 Untere Hauptreihe
Für diese Sterne
ist die pp-Kette dominant und die Energieproduktion über einen größeren
relativen Radius verbreitet. Der Kern bleibt im Strahlungsgleichgewicht.
Wegen der geringeren Temperatur in den äußeren Schichten ist
die Opazität dort groß und die Sterne haben konvektive Hüllen.
Wegen der fehlenden
Konvektion im Zentrum verbraucht sich H dort schnell. Der Stern wird langsam
heißer und heller, bis das Zentrum fast vollständig zu He geworden
ist. Es setzt dann H - Hüllenbrennen ein.
Sterne unterhalb 0.26
Sonnenmassen sind voll konvektiv, ihnen steht daher aller H als Brennstoff
zur Verfügung. Nach dessen Verbrauch entwickeln sie sich zu Weißen
Zwergen.
2.7.4 Riesenphase und danach
Nach Abschluß
der Hauptreihenphase haben Sterne kein H mehr im Zentrum und H-Hüllenbrennen
setzt ein. Die äußere Hülle expandiert, Teff
nimmt ab und der Stern wandert nach "rechts". Die konvektive Hülle
expandiert, bis die Hayashi-Linie erreicht ist. Sterne geringerer Masse
erhöhen ihre Leuchtkraft durch Zunahme des Radius und wird zum Roten
Riesen.
Sterne oberhalb von
0.26 Sonnenmassen können He im Triple-Alpha-Prozeß verbrennen.
Die Masse des He-Kerns nimmt zu, He-Brennen setzt simultan im ganzen degenerierten
Kern ein (T konstant). Dessen Temperatur steigt, ohne daß er expandiert,
durch die Zunahme der Energieproduktion wird die Degeneration plötzlich
explosiv aufgehoben (He-Flash). Der Stern befindet sich dann auf
dem
Horizontalast. Nach Verbrauch des Heliums im Kern kann
He-Hüllenbrennen
einsetzen. Dieser Zustand ist bei Sternen unterhalb 3 Sonnenmassen instabil
und kann zur Bildung eines
Planetarischen Nebels, bei welchem der
Stern seine äußere Hülle verliert, führen. Der Kern
verbleibt als Weißer Zwerg.
Massivere Sterne zwischen
3 und 15 Sonnenmassenhaben keinen He-Flash, dafür aber - je nach Masse
- eine C- oder O-Flash. Dieser führt zu einer
Supernova (Typ
II), welche den Stern komplett zerstört.
Noch massivere Sterne
produzieren Fusionen bei höheren Massen bis zu Fe und können
mehrere Fusionsschalen haben. Das Ende aller nuklearer Reaktionen hat einen
Kollaps des Kerns in der dynamischen Zeitskala des Kerns (Bruchteile von
Sekunden) zufolge. Die äußeren Hüllen explodieren
als Supernova, der Kern bleibt als dichter Körper zurück.
Das Schicksal eines massiven
Kerns richtet sich nach der verbleibenden Masse. Ein Weißer Zwerg
ist von der Größe der Erde und besteht aus entarteter Materie
mit hoher Dichte (
[kg m-3]). Er verliert durch Strahlung graduell seine restliche
thermische Energie. Ist seine Masse größer als die Chandrasekhar-MasseMC
= 1.44 MSonne, dann bildet sich ein Neutronenstern
mit Dichten von
[kg m-3]. Diese Gebilde haben Durchmesser von ca. 10 km, der
Degenerationsdruck der Neutronen hält sie stabil. Neutronensterne
kann man als Pulsare beobachten.
Kein bekannter physikalischer
Prozeß hält Kerne, die massiver als die
Oppenheimer-Volkov-MasseMOV
= 1.5 ... 2
MSonne sind, stabil - sie bilden
vermutlich Schwarze Löcher.
2.8 Veränderliche Sterne
Sterne, die ihre Leuchtkraft
in merklichem Maße über beobachtbare Perioden ändern, sind
schon seit Beginn des 17. Jh. bekannt. Neu entdeckte veränderliche
Sterne werden nach ihrem Sternbild und mit einer Buchstabenkombination
versehen benannt. Der erste in einem Sternbild gefundene Veränderliche
erhält den Buchstaben R, der zweite S usw. bis Z. Danach geht es mit
RR, RS, ... bis ZZ weiter und schließlich über AA bis QZ. Dies
reicht für 334 Veränderliche pro Sternbild und erklärt deren
z. T. exotische Namen. Weitere Veränderliche werden mit V335, V336
etc. bezeichnet.
Neben den bereits bekannten
Bedeckungsveränderlichen gibt es eine Vielzahl
physisch veränderlicher
Sterne, welche wir hier vorstellen. Die verantwortlichen physikalischen
Mechanismen sind vielfältig, und für viele Arten noch nicht genau
verstanden. Man unterscheidet sie nach Lichtkurven (z. T im Radio- oder
Röntgenbereich) und nach Veränderungen der Spektralklasse oder
im Spektrum. Man unterscheidet grob pulsierende Veränderliche,
eruptiv
Veränderliche, und
magnetische (oder Rotations-) Veränderliche.
Ihnen entsprechen bestimmte Entwicklungszustände.
2.8.1 Pulsierende Veränderliche
Pulsierende Veränderliche
zeigen Linienverschiebungen synchron mit mehr oder weniger regelmäßigen
Helligkeitsvariationen; erstere werden als Doppler-verschiebung einer pulsierenden
Atmosphäre gedeutet. Die beobachteten Geschwindigkeiten sind im Bereich
von 40 ... 200 km s-1. Der Hauptgrund der Helligkeitsveränderung
ist eine Temperaturänderung - die Änderung des Radius ist vergleichsweise
klein. Pulsierende Veränderliche sind meistens Riesensterne, es gibt
sie aber auch auf der Hauptreihe und unter Weißen Zwergen. Die Haupttypen
und ihre Eigenschaften sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt.
| Bezeichnung |
N |
P [d] |
Spektraltyp |
Dm |
| Klassische Cepheiden (d
Cep, W Vir) |
700
|
1 - 50
|
F - K I
|
< 2
|
| RR Lyrae |
4400
|
< 1
|
B8 - F2 III
|
< 0.7
|
| Zwergcepheiden (d
Scuti) |
20
|
0.05 - 2
|
F III
|
< 1
|
| b Cephei |
20
|
0.1 - 0.25
|
B1 - B3 III
|
< 0.1
|
| Mira - Variable |
4600
|
80 - 1000
|
M III
|
> 2.5
|
| RV Tauri |
100
|
30 - 150
|
G - K I
|
< 3
|
| a2 Can
Ven |
30
|
1/25/99
|
Ap
|
< 0.1
|
| Semiregulär |
2300
|
30 - 1000
|
K - M I
|
< 2.5
|
| Irregulär |
1700
|
-
|
K - M I
|
< 2
|
Typen pulsierender Veränderlicher
Die physikalische Erklärung
für die Veränderlichkeit dieser Sterne sind radiale Pulsationen
des Sternenkörpers in seiner Grundschwingung oder einer Oberschwingung.
Die Periode P hängt mit der mittleren Dichte
des Sterns wie folgt schätzungsweise zusammen:
.
(2.65)
Es zeigt sich, daß
der Vergleich der Variation des Radius (durch Integration der Spektrallinienverschiebung),
der Effektivtemperatur und der Leuchtktaft zu einem mit der Pulsation des
Sterns konsistenten Ergebnis führt. Die Ursache der Instabilität,
welche die Pulsationen unterhält, wird dartin gesehen, daß unter
gewissen Umständen die Opazität in den H-He-Ionisationszonen
am äußeren Rand des Sterns mit zunehmenden Druck steigt ("k-Mechanismus").
Die während der Kontraktion absorbierte und der Expansion freiwerdende
Energie kann die Oszillation aufrecht erhalten. Dies betrifft insbesondere
Sterne mit Teff = 8000K in der Nähe der Hauptreihe bis
Teff = 5000K bei den Überriesen (Instabilitätsstreifen
der Cepheïden).
Die Amplituden der Lichtkurve
im Sichtbaren nimmt mit bei sinkender Effektivtemperatur zu. Dies ist mit
dem Planck'schen Strahlungsgesetz zu verstehen, wenn das Strahlungsmaximum
zu langen Wellenlängen verschoben ist. Zu längeren Perioden und
kühleren Oberflächen hin werden die Pulsationen unregelmäßiger.
Dies hängt vermutlich mit den größer werdenden Konvektionszonen
und der Kopplung zwischen Turbulenz und Pulsation zusammen.
Zwei der wichtigsten
Klassen von Pulsations-Veränderlichen:
-
Mira - Variable: diese Sterne sind nach Mira (o
Ceti) benannt, einer der auffälligsten Variablen. Es handelt sich
um sehr späte Riesensterne mit langen Perioden zwischen 80 ... 1000
Tagen, welche starke Sternenwinde zeigen. Mira selbst hat einen Durchmesser
von 2 AU und zeigt Variationen von bis zu DmV
= 10 (V = 12 ... 2-4). Bei der geringen Effektivtemperatur vo ca. 2000
K führen schon leichte Temperaturschwankungen zu starken Helligkeitsschwankungen
im Sichtbaren.
-
Klassische Cepheïden: Anfang des Jahrhunderts erkanne Henrietta
Leavitt, daß Veränderliche vom Typ d
Cephei eine starke Korrelation der Leuchtkraft mit der Periode haben.
Diese Erkenntnis erlaubte zum ersten Male die Besimmung extragalaktischer
Distanzen. Die Perioden-Helligkeits-Beziehung ist heute wesentlich verfeinert
und auf andere Variablentypen (W Vir) erweitert worden.
2.8.2 Eruptive Variable
Eruptive Variable umfassen
Sterne, welche singulär oder unregelmäßig Helligkeitsausbrüche
zeigen, die häufig mit Materieströmungen verbunden sind.
Diese können bis zu
Dm = 20 betragen.
Eine Zusammenstellung ihrer Eigenschaften ist in der folgenden Tabelle
zu finden.
-
Flare-Sterne: diese sind junge Hauptreihensterne der Spektralklasse
M. Sie zeigen unregelmäßig flare-Ausbrüche von einer
Dauer von Minuten, ähnlich denen der Sonne. Diese werden mit Rekonnektion
von Magnetfeldern in Verbindung gebracht.
-
Kataklysmische Veränderliche: diese umfassen Novae (DmV
= 7...20) und Zwergnovae (DmV
= 2...6). Hier handelt es sich um nahe Doppelsternsysteme, bei welchem
Materie von einem kühlen Hauptreihenstern auf einen etwas schwereren
Weißen Zwerg übergeht (meist über eine Akkretionsscheibe).
Hat sich dort genügend Material angesammelt, so kommt es auf der Oberfläche
des Weißen Zwergs zum explosiven Wasserstoffbrennen, wobei die Hülle
abgestoßen wird. Das System kehrt dann in den ursprünglichen
Zustand zurück, der Vorgang kann sich wiederholen. Novaausbrüche
führen zu einem Helligkeitsanstieg innerhalb von 1 - 2 Tagen, denen
eine mehrere Monate bis Jahre andauerndes Abklingphase folgt. Schwächere
Novae und Zwergnovae haben wiederkehrende Ausbrüche zwischen Dekaden
und Wochen bis Jahren.
-
Supernovae: man unterscheidet zwei fundamental verschiedene Typen
(I und II). Beiden sind Ausbrüche mit Dm
> 20 gemein, gefolgt von einer Abklingphase, welche Jahre andauert. Der
Typ II betrifft junge, massive Sterne am Ende ihrer Entwicklung. Der Typ
I wird von alten Sternen von etwa Sonnenmasse erzeugt. Diese sollten eigentlich
als Weiße Zwerge enden. Sind sie aber Teil einer Nova, so kann ein
Teil der vom Begleitstern übergehenden Materie auf dem Weißen
Zwerg in Form von He, C, oder O verbleiben und seine Masse erhöhen.
Wird die Chandrasekhar-Masse überschritten, so entsteht eine Supernova
mit einem Neutronenstern. Da die Ausgangsbedingungen für Typ I - Supernovae
sehr ähnlich sind, sind ihre Helligkeiten ungefähr gleich.
Sie spielen ähnlich wie die Cepheiden daher eine Rolle als Leuchtkraftstandards.
| Bezeichnung |
N |
Dm |
Geschwindigkeit [km s-1] |
| Supernovae |
7
|
> 20
|
4000 - 10000
|
| Novae, wiederkehrende Novae |
170
|
7 ... 18
< 10
|
200 - 3500
600
|
| Novaähnliche (P Cygni, symbiotische Sterne) |
40
|
< 2
|
30 - 100
|
| Zwergnovae (SS Cyg / U Gem, ZZ Cam) |
240
|
2 ... 6
|
-700
|
| R Cor Bor |
30
|
1 ... 9
|
-
|
| Irregulär (nebulöse Variable, T Tau
, RW Aur) |
210
|
< 4
|
-300
|
| Flare-Sterne (UV Ceti) |
30
|
< 6
|
2000
|
Typen eruptiver Veränderlicher.
2.8.3 Veränderlichkeit durch Magnetismus
Hauptreihensterne mit
einer äußeren (Wasserstoff-) Konvektionszone zeigen
magnetische
Aktivität, welche von der Rotationsrate abhängt. Von
der Sonne ist diese Aktivität in Form von
Sonnenflecken und
Fackelgebieten
(plages) bekannt. Durch die Rotation bewegensich die aktiven Gebiete
über die Sternscheibe und erzeugen so eine Modulation der Intensität.
Während die Variation
des Gesamtstrahlungsstroms der Sonne extrem klein ist (< 10-4),
zeigen andere Sterne eine erhöhte Variation. Sterne, die jünger
sind als die Sonne, rotieren i. A. schneller und zeigen erhöhte Aktivitätsmerkmale.
Die Erzeugung magnetischer Felder findet in der Konvektionszone statt,
sie ist umso effektiver je schneller ein Stern rotiert. Mit zunehmenden
Alter verliert ein Stern über Sternenwinde Drehimpuls und rotiert
somit langsamer, wobei auch die Aktivität zurückgeht.
Einige Sterne des Spektraltyps
A - die kühleren Ap-Sterne - zeigen starke magnetische Aktivität
in ihren Spektren und in Form einer Helligkeitsschwankung von 0.1 mag.
Aufgrund des Zeeman-Effektes kann man nachweisen, daß diese Sterne
Magnetfelder von 0.1 ... 1 T (103 ... 104 G) haben,
deren Stärke sich mit den Lichtkurven periodisch ändert. Man
führt diese auf riesige Sternflecken und Rotationsmodulation zurück.